Wann ist der richtige Zeitpunkt um an der Börse zu investieren? 3


Die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist an der Börse zu investieren, stellt sich quasi jeder Investor.

Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Welcher Zeitpunkt aber wirklich der richtige ist, das beantworte ich heute in diesem Beitrag.

 

 

 

 

Die Medien

Wenn man Börsennachrichten schaut oder liest, dann kommen immer wieder Nachrichten wie: „jetzt noch einsteigen?“, „der richtige Zeitpunkt zählt“ oder noch besser „jetzt verkaufen, der nächste Crash kommt“.

Das Problem von den Medien ist, dass Journalisten dafür bezahlt werden, etwas zu schreiben. Das ist ihr Job.  Was macht denn ein Börsen-Journalist, wenn es nichts zu berichten gibt? Naja, dann schreibt er halt wieder ein Interview mit einem „Experten“ der einen riesen Boom prognostiziert. Das wird immer gelesen. Oder über den nächsten Crash, denn Angst lässt sich immer gut verkaufen.

 

Die Analysten

Die Analysten sind die großen Experten wenn es um die Zukunft der Märkte geht. Sie analysieren die Märkte und das Umfeld. Sie beraten die Fondsmanager und verdienen eine Menge Geld. Natürlich muss man zum Beispiel als Bank wissen wie das aktuelle Umfeld aussieht. Aber auch ob ihre Prognosen taugen, das ist die große Frage.

Dazu gab es eine interessante Studie, bei der schwedische Fondsmanager, Broker, Analysten und Anlageberater gebeten wurden, die Performance von 20 Blue-Chip Aktien vorauszusagen. Dabei legte man Ihnen jeweils zwei Aktien gleichzeitig vor und lies sie die Aktie auswählen, die 30 Tage später eine höhere Kurssteigerung haben würde. Eine Gruppe von Laien erhielt die gleiche Aufgabe gestellt.

Das Ergebnis:

Die Antworten von den Laien bewegten sich auf Zufallsniveau also die Richtigkeit Ihrer Aussagen betrug 50 %.

Was war mit den Experten? Diese blieben hinter dem Zufall zurück. Sie wählten nur zu 40 % die richtige Aktie aus.

Woher kommt die hohe Fehlerquote? Auf jeden Fall lag es nicht daran, dass die Experten aus Schweden kamen. Eine Wiederholung des Versuchs mit anderen Experten und Laien führte zu demselben Ergebnis. Quelle

Wie kann das sein? Die Analysten haben sich auf „besondere“ Informationen verlassen, ohne sich über deren Unzuverlässigkeit im klaren zu sein. Die Laien hingegen haben einfach nur geraten, was in diesem Fall die bessere Wahl gewesen wäre. Oder wie Niels Bohr es ausdrückte:

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“

Niels Bohr

 

Warum liegen manche Analysten denn immer richtig?

Es gibt sie, die Analysten die immer richtig liegen. Doch auch da ist nicht alles so, wie es scheint. Dazu eine kleine Rechenaufgabe:

Angenommen wir hätten 10.000 Anlageberater, die die gleiche Erfolgsquote haben wie die schwedischen Fondsmanager. Nach dem ersten Jahr gäbe es 6.000 mit einer falschen Prognose, und 4.000 mit einer richtigen.

Im zweiten Jahr, sind es immer noch 1.600 deren Prognose die richtigen Ergebnisse liefert. Nach fünf Jahren wären es immerhin noch 100 Experten die richtig lägen.

Nach 10 Jahren liegen 9.999 Experten falsch. Einer jedoch hat genau in das Schwarze getroffen und lag mit seinen jährlichen Prognosen immer richtig. Ein toller Hecht. Er sollte befördert werden.

 

Warum muss alles planbar sein?

Seit Menschen Gedenken, suchen wir nach der absoluten Gewissheit. Also den Zustand, der jeden Zweifel ausschließt. Alles soll sicher, verlässlich und planbar sein. Man möchte DIE richtige Entscheidung treffen.

Ein Großteil unserer Geschichte wurde von Menschen geschrieben, die sich absolut sicher waren, dass ihre Religion, Rasse oder Sippe die von Gott oder dem Schicksal auserwählte sei. Dafür mussten viele Menschen sterben.

Auch heute möchte man sich bei allem sicher sein. Mache vertrauen auf Hellseher, andere glauben an Horoskope und wieder andere verlassen sich auf die Analystenmeinungen.

 

Wie man mit Prognosen reich wird

Immer wieder schaffen es Leute, sich durch „richtige Prognosen“ betrügerisch zu bereichern. Damit du auf so etwas nicht hereinfällst und das Prinzip verstehst, erkläre ich wie es geht:

Man kauft sich zum Beispiel 100.000 E-Mail Adressen. Anschließend setzt man zwei seriös aussehende Börsennewsletter auf.

In dem einen Newsletter sagt man, dass zum Beispiel die BASF-Aktie in der nächsten Woche steigt. Diesen sendet man an die Hälfte, also an 50.000 Mail Adressen. Den anderen 50.000 E-Mail Empfängern sagt man genau das Gegenteil, nämlich dass die BASF-Aktie in der nächsten Woche fällt.

Nach einer Woche, weiß man wie sich die BASF Aktie verhalten hat. Anschließend setzt man wieder zwei Newsletter auf, diesmal mit einer Prognose über BMW und sendet diese an die 50.000 Empfängern, die im BASF Newsletter die richtige Prognose bekommen haben. Also 25.000 an die einen und 25.000 an die anderen.

Das Spiel macht man immer wieder, bis zum Beispiel 3.125 Personen immer die richtige Prognose bekommen haben. Diesen Leuten, schickt man eine E-Mail, in der man ihnen sagt, dass sie Immer die richtige Prognose erhalten haben. Sie brauchen sich nur die E-Mails in ihrem Posteingang ansehen. Dann gibt man ihnen die Möglichkeit, einen Börsennewsletter für nur zum Beispiel 1.000 EUR im Jahr zu abonnieren. Da man ja immer richtig liegt, hat man die 1.000 EUR ganz schnell wieder drin.

Tja, wenn das von den 3.125 Leuten nur 10% anbeißen, hat man ganz schnell 312.500 EUR verdient (abzüglich der Kosten für den Kauf der Adressen).

Von der Nachahmung rate ich ab, da dies schwerer Betrug ist und man dafür schnell ins Gefängnis wandert.

 

Und wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

Dazu komme ich gleich, denn um überhaupt etwas Geld an der Börse zu investieren, müssen meiner Meinung nach erst einmal 2 Voraussetzungen erfüllt sein.

  • 1. Bargeld: Man sollte sich eine kleine Bargeld Reserve schaffen. Damit meine ich ein paar hundert EUR, die in Bar schnell zur Verfügung sind, einfach für den ungünstigsten Fall, damit man immer Handlungsfähig ist

 

  • 2. drei bis sechs Monats Reserve: Ich finde, man sollte auf dem Tagesgeldkonto immer so viel Geld haben, dass man in der Lage ist, mit dem Geld 3-6 Monate zu überleben (je nach dem persönlichem Sicherheitsbedürfnis). Zur Berechnung, teile deine Ersparnisse durch deine monatlichen Kosten. Dieses Geld ist dafür da, einfach ruhiger zu schlafen und nicht aus der Ruhe zu geraten, wenn mal die Waschmaschine oder das Auto kaputt geht oder man im schlimmsten Fall selbst kündigt und damit einfach die 3 Monate Sperrzeit bis zum Arbeitslosengeld 1 überbrückt.

 

Der richtige Zeitpunkt

So, jetzt komme ich zum richtigen Zeitpunkt.

Der richtige Zeitpunkt ist: (Trommelwirbel). Immer!

Wie immer? Das Geheimnis ist der Cost-Average-Effekt.

Der Cost-Average-Effect im Deutschen auch Durchschnittskosteneffekt genannt, drückt die durchschnittlichen Kosten bei mehreren Einzahlungen aus.

Man erhält als Angestellter jeden Monat sein festes Gehalt, und hat jeden Monat z.B. 500 EUR zum investieren zur Verfügung. Dieses Geld wird sofort in z.B. Berkshire Hathaway Aktien investiert. Dadurch kauft man, wenn der Kurs niedrig ist mehr Aktien, als wenn der Kurs hoch ist. Im Mittel zahlt man jedoch den durchschnittlichen (also „wahren“) Preis. Nutzt man den Cost-Average-Effect, braucht man auf die Kursschwankungen keine Rücksicht zu nehmen.

Zur Verdeutlichung hier ein Chart zwischen dem 03.10.2011 und dem 21.09.15. Zum Chart bei Yahoo Finance kommst du Hier

Quelle: https://de.finance.yahoo.com/echarts?s=BRK-B#symbol=BRK-B;range=1d

Quelle: https://de.finance.yahoo.com/echarts?s=BRK-B#symbol=BRK-B;range=1d

Der rote Strich drückt den durchschnittlichen Kaufkurs aus.

André Kostolany drückte es einmal so aus:

„Der Börsenkurs einer Aktie verhält sich wie ein Herr mit seinem Hund auf einem Spaziergang. Während der Hund einmal nach vorne rennt, dann wieder hinter seinem Herrn zurück bleibt geht der Hundebesitzer stetig nach vorne“

André Kostolany

Aufgrund des Cost-Average-Effect macht es mehr Sinn, bei zum Beispiel einer Erbschaft, das Geld verteilet über mehrere Jahr konstant zu investieren, als auf einen Schlag.

 

Take it easy

An der Börse herrscht immer viel Stress. Grade die Hochfrequenzhändler und Daytrader verbreiten eine enorme Unruhe, aber auch die Medien die immer nur von den Extremen berichten. Investiere am besten ganz stur jeden Monat in Aktien. Und wenn der Kurs mal einbricht, dann bleib einfach entspannt. Auch ein Gewitter zieht vorbei

 

Was denkst du über den richtigen Zeitpunkt zum Investieren an der Börse? Wann investierst du?

 

 


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3 Gedanken zu “Wann ist der richtige Zeitpunkt um an der Börse zu investieren?

  • DividendenFiete

    Immer ja,
    wenn die Kaufgebühren im Verhältnis zum Kaufwert stehen. Sollte die monatlich Kaufsumme zu gering sein empfehle ich lieber alle 2 Monate oder pro Quartal zu kaufen. Für mich gilt als Faustregel, die Gebühren müssen mit der 1.Dividendenzahlung (Quartalszahler!) wieder reinkommen :-) Dann liegen die Gebühren meist automatisch <1% und das sollte bei einer Langfristanlage kein Problem sein. Gerade bei Aktien kommen dann keine weiteren Gebühren mehr (beitragsfreies Kontoführung natürlich vorausgesetzt!)
    Ist das alles erfüllt kann man kaufen! Timing bringt aus meiner Sicht auch keinen Mehrwert! Da hat unser Gastgeber absolut recht!
    Beste Grüße

  • Gerhard

    Cost-Average-Effekt,find ich gut,allerdings verbirgt er meiner meinung eben das grosse risiko wie es in meinem fall aktuell ist das meine ölwerte immer grösser werden im vergleich zum anderen portfolio.mittlerweile bin ich bei royal dutch und bhp billiton auf nachkauf nummer 4 und kurs fällt immer weiter.
    bin übrigens auch gerade bei lesen von b.graham,der den cost-a-e sehr vertritt,allerdings ist für mich bis dato nur raus zu lesen das
    er diesen nur auf den ganzen index verwenden würde (DAX-ETF zb)mir ist ausserdem aufgefallen das er in seinem buch nicht wie warren buffet befürworter von einzelaktien ist sondern meint in fonds zu investieren.
    mut gehört allemal dazu den cost-a-e. zu nutzen,vor allem dann wenns wirklich mal dramtisch runter geht und alle die am neuen markt nicht dabei waren wissen nicht was dramatisch ist.
    die frage ist dann ob man dann immer noch weiter brav investiert was ja gerade dann unbedingt nötig wäre um das potenzial der verbilligung von aktien voll aus zu nützen.
    nur ob die psyche mitspielt ist jetzt eine andere sache,weil bisher wars nur trockentraining.zu dem ganzen kursverfall kommen ja dann noch die horrmeldungen dazu von sämtlichen analysten die teilweise dann noch insolvenz prognostizieren und den untergang vieler unternehmen.da dann weiter brav einzahlen?vor haben tu ichs,aber wie es dann wirklich kommt…

  • Alexander

    Ich kaufe jeden Monat für 1.500 €, mal die eine, mal die andere Aktie nach. In 10 Jahren schauen wir mal. Und halte es wie DividendenFiete, die Gebühr sollte mit einer Quartalszahlung gedeckt sein.

    Das mit den Newslettern gefällt mir. Sollte man mal unter einem Synonym machen^^

    Nein, mach ich natürlich nicht.