Schulden aufnehmen um in Aktien zu investieren? 9


Unter meinem Beitrag Dividenden Champions Europa habe ich von einem Leser einen Kommentar erhalten, der mich zu Tresordiesem Beitrag inspiriert hat. Der Kommentar ist von dem Leser Jan. Jan schreibt:

dein Blog gefällt mir gut.
Statt eine Eigentumswohnung zu kaufen, plane ich mir Aktien zu kaufen.
Diesbezügl. nehme ich eine Hypothek auf, um mein Eigenkapital damit aufzustocken.

 

Die Idee Schulden aufzunehmen um damit Aktien zu kaufen höre ich auch unter Dividendeninvestoren immer wieder.

 

 

 

Auch mein Broker empfiehlt mir den Kauf von Aktien auf pump. Was ist dran an der Idee und welche Vorteile, aber auch welche Risiken hat diese Möglichkeit?

 

Vorteile von Fremdkapital

1.) Die Rendite

Der größte Vorteil von der Investition von Fremdkapital ist, dass man wenn es gut läuft, eine Rendite auf Geld erzielt, dass einem gar nicht gehört. Beispielsweise kann man eine Investition hebeln, also durch die Aufnahme von Schulden das Investitionsvolumen erhöhen.

Dazu ein Beispiel:

Ich investiere 100 EUR in eine Aktie, halte diese für einen Zeitraum X und verkaufe sie anschließend wieder mit 10% Gewinn. Somit beträgt mein Gewinn 10 EUR und ich habe in Summe 110 EUR (Gebühren für den Kauf und Verkauf sowie Steuern lasse ich erst einmal unberücksichtigt).

Wenn ich nun zusätzlich zu meinen 100 EUR noch 900 EUR Schulden aufnehme und diese 1.000 EUR für den gleichen Zeitraum X investiere und auch 10% Gewinn erwirtschafte, habe ich nun 100 EUR Gewinn gemacht. Die Schulden zahle ich anschließend nebst einer Gebühr von zum Beispiel 2,0 % zurück (900 EUR * 0,02 = 18 EUR) und habe dadurch einen Gewinn von 82 EUR (Steuern und Kauf- und Verkaufsgebühren außen vor).

2.) Chancen nutzen

Ein weiterer großer Vorteil liegt darin, dass man, auch wenn man zur Zeit keine Rücklagen hat, Chancen im Aktienmarkt nutzen kann und sich somit einen Gewinn sichert.

3.) Der Zinsgewinn

Gerade in der aktuellen Zeit mit niedrigen Zinsen kommt vielleicht der ein oder andere auf die Idee, sich Geld für zum Beispiel 2 % zu leihen und dann in Dividendenaktien zu investieren die eine Dividendenrendite von 3 % haben. Die Differenz von 1 % kann man sich natürlich selbst in die Tasche stecken (wenn da nicht die Gebühren und die Nachteile wären die unten aufgeführt sind).

 

Nachteile von Fremdkapital

1.) Negative Rendite

Das oben aufgeführte Beispiel sieht natürlich erst einmal gut aus. Spielen wir das ganze mal mit einer negativen Rendite durch. Angenommen ich investiere wieder 100 EUR meines eigenen Geldes für einen Zeitraum X und verkaufe die Aktien anschließend wieder mit 10% Verlust. Mein Verlust beträgt somit 10 EUR und ich habe nur noch 90 EUR (Gebühren sowie Steuern berücksichtige ich wieder nicht).

Wenn ich nun auf die Idee gekommen wäre zu meinen  100 EUR noch 900 EUR Schulden aufzunehmen und diese 1.000 EUR für den gleichen Zeitraum X investiere und auch hier 10 % Verlust erwirtschafte, sieht das Bild anders aus. 10 % Verlust bedeuten nämlich, dass ich 100 EUR verloren habe plus die 2 % Gebühren mit 18 EUR, beträgt mein Verlust 118 EUR, also mehr als ich an eigenem Geld investiert habe. Da häufig eine so genannte Nachschusspflicht besteht, bin ich nicht nur meinen Einsatz los, sondern muss auch noch die 18 EUR an Gebühren nachschießen. Die Gebühren für den Kauf und Verkauf kommen hier natürlich noch hinzu.

2.) Die Teufelsspirale

Hätte man das ganze im großen Styl gespielt und hätte 10.000 EUR eigenes Geld investiert und 90.000 EUR an Schulden aufgenommen (wieder zu 2%), würde man bei einem Verlust von 20 % auf einmal mit Schulden von 11.800 EUR da stehen (20.000 EUR Verlust plus 1.800 EUR Kreditkosten).

Hier kommt der Zocker (Anleger wäre hier das falsche Wort) nun in eine Teufelsspirale, denn um die 11.800 EUR wieder auszugleichen wird er wahrscheinlich wieder im Aktienmarkt auf die gleiche Methode zocken. Da er nun unter Zugzwang steht geht er vielleicht ein höheres Risiko ein und trifft eine „dumme Entscheidung“. Wenn er jetzt noch mehr Geld verliert kann es sein, dass er mehr Schulden als Guthaben hat. In diesem Fall kann man sich nun mit einem Inkassounternehmen auseinander setzen und kann im schlimmsten Fall sogar Privatinsolvenz anmelden. Dumm gelaufen…

3.) Der Zinsgewinn

Hätte man Fremdkapital aufgenommen (Vorteile Punkt 3) und in Aktien investiert um durch die Dividendenrendite die höher ist, als der Zins, Geld zu verdienen, kann man folgendes Problem bekommen. Wenn der Aktienmarkt einbricht, hat man zwar immer noch 3 % Dividendenrendite bezogen auf den Kaufpreis, jedoch sind die Sicherheiten geringer, somit kann es sein, dass der Broker die im Depot vorhandenen Werte verkauft um das Risiko los zu werden.

 

Fazit

Meine Devise ist, dass ich in Aktien ausschließlich mein eigenes Geld investiere und einen Teil als Cash halte um bei einem Rücksetzer zuzukaufen. Zudem würde ich nie so viel investieren, dass ich um mir eine neue Waschmaschine zu kaufen Aktien verkaufen müsste.

Ich bin der Meinung, dass man Aktien nur mit Geld kaufen sollte, dass man übrig hat. Die Chancen am Aktienmarkt gutes Geld zu verdienen sind gut, jedoch ist auch das Risiko höher.

Ich habe für mich persönlich die Entscheidung getroffen keine Kredite aufzunehmen, egal ob es für Aktien einen Fernseher oder ein Haus ist. Wer Schulden aufnimmt begibt sich in eine Abhängigkeit und ist ab dem Zeitpunkt der Kreditaufnahme fremdgesteuert.

 

Was denkst du über den Aktienkauf mit Fremdkapital?


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9 Gedanken zu “Schulden aufnehmen um in Aktien zu investieren?

    • Ric Beitragsautor

      Hallo Torsten,

      es kann sein, dass deine Entscheidung eine sehr kluge ist. Es kann aber auch sein, dass du dir in ein paar Jahren denkst, hätte ich doch eine andere Entscheidung getroffen.
      Jeder muss im Endeffekt das Risiko bewerten und für sich eine Entscheidung treffen. Schulden und Fremdkapital ist normal. Schau dir an wie große Firmen wirtschaften. Alle wachsen durch Fremdkapital. Ich wette mit dir, dass über 90% der privaten Häuser mit Krediten gebaut wurden und unsere Wirtschaft immer wieder an den Rand des Abgrunds gefahren wird, weil der Staat nicht einmal mehr in der Lage ist die Zinsen zurück zu zahlen. Dank des Niedrigzinsumfeldes der EZB und der FED läuft es aktuell trotzdem weiter.

      Schulden sind in unserer Gesellschaft normal. Der TV auf pump, das Auto auf pump warum dann nicht auch auf pump investieren?
      Genau dieses Phänomen hat zum platzen der Schuldenblase 2008 geführt. Mal sehen wann die nächste Blase platzt.

      Ich treffe eine andere Entscheidung. Wenn ich Geld habe, dann kann ich mir etwas leisten und investiere. Wenn ich kein Geld habe, dann kaufe ich mir eben nichts.

      Viele Grüße
      Ric

      • Torsten Tiedt

        Hi Ric,

        „es kann sein, dass deine Entscheidung eine sehr kluge ist. Es kann aber auch sein, dass du dir in ein paar Jahren denkst, hätte ich doch eine andere Entscheidung getroffen.“

        Meine Entscheidung habe ich vor 5 Jahren getroffen. Da ich stets versucht habe, in Wachstumswerte zu investieren, liegt meine persönliche Dividende mittlerweile abzgl. Abgeltungssteuer deutlich über dem, was ich an Zinsen bezahlen muss. Von den Kursgewinnen ganz zu schweigen.

        Meine Depots siehe hier:

        http://wachstumswerte.net/Echtportfolio_Altbestand.html
        http://wachstumswerte.net/echtportfolio-neubestand.html

        „Schulden sind in unserer Gesellschaft normal. Der TV auf pump, das Auto auf pump warum dann nicht auch auf pump investieren?
        Genau dieses Phänomen hat zum platzen der Schuldenblase 2008 geführt. Mal sehen wann die nächste Blase platzt.“

        Das ist nicht korrekt. Nicht gewöhnliche Schulden habe zur Subprimekrise geführt, sondern hemmungslos vergebene Hypotheken in den USA, die verbrieft und an ahnungslose Banken als – oft Tripple A – weiter verkauft wurden.

        „Ich treffe eine andere Entscheidung. Wenn ich Geld habe, dann kann ich mir etwas leisten und investiere. Wenn ich kein Geld habe, dann kaufe ich mir eben nichts.“

        Wenn das deiner Risikoneigung entspricht, ist das natürlich in Ordnung.

        Gruß!

        Torsten

  • Matthias Schneider

    Hallo Ric,

    förmlich einen Kreditvertrag abzuschließen und damit Aktien zu kaufen, das halte ich für verfehlt. Was anderes ist, einfach mal zu überziehen. Wenn man ein Marginkonto hat, dann ist das schon verlockend. Neuerdings räumt mir Flatex ungefragt auch einen Kreditrahmen zur Überziehung ein. Die müssen natürlich Geld verdienen, ganz klar. Aber das kann auch Vorteile haben.

    Wenn man ein unflexibles Cash-Verrechnungskonto (Depot) hat, dann verkauft man z.B. eine Aktie, um damit was anderes zu kaufen (wenn man ohne Cash ist), kann diesen Kauf aber erst nach 2 Tagen ausführen, weil man auf das Settlement warten muss. Das kann unerträglich sein. Mit Marginkonto kauft man einfach das, was man wollte, und zahlt halt für 2 Tage ein paar Cent Zinsen.

    Ich war vor kurzem auch der Meinung, dass ich absolut und unbedingt nur mit eigenem Geld kaufe. Aber inzwischen sehe ich das entspannter. Natürlich ist es absoluter Wahnsinn, wenn man am großen Rad drehen will, ohne es sich leisten zu können. Aber etwas Fremdkapital zu nutzen ist ganz prima. Wenn ich z.B. unbedingt einen Wert kaufen will, aber kein Cash habe, dann gehe ich mit meinetwegen 2.500 USD ins Minus und zahle dafür 2,9% p.a. Aber ich lasse das von den US-Dividenden abstottern. Nach relativ kurzer Zeit ist das abgetragen, wenn ich nichts anderes mache.

    Solange ich die Dividenden nicht entnehmen will, mache ich das so weiter. 2,9% Sollzinsen zahlen, und vielleicht 5 oder 5% bekommen. Sobald ich in paar Jahren die Dividenden als Zusatzrente entnehmen will, dann hört das natürlich auf.

    Beste Grüße
    MS

    • Ric Beitragsautor

      Hallo Matthias,

      ich habe auch ein Margin-Konto, aber nur, was du auch ansprichst, um auf die 2 Tage Wartezeit zu verzichten.
      Einmal kurz etwas zu überziehen wie in deinem Kommentar beschrieben ist für mich ok. Konkret Geld aufzunehmen um dies zu investieren funktioniert für mich hingegen nicht.

      Deine Strategie eine Aktie zu kaufen und von der Dividende abzahlen zu lassen klingt interessant. Ich mache es trotzdem nicht 😉

      Viele Grüße
      Ric

  • plutusandme

    Kurz und knapp. Verboten !
    Es kann gut gehen, muß es aber nicht. WIr arbeiten , außer beim Immobilienbau, mit eigenem Geld und können ruhig schlafen.
    Allerdings sagte mir mal ein Kunde ( Bereich Investitionsgüter ) : “ Ob wir nun 2 Mio Verbindlichkeiten haben oder 4 Mio, das ist im Falle eines Falles auch egal !“
    Von daher, jeder wie er möchte , für uns bleibt es verboten.

  • Finanzielle Freiheit

    Hallo,

    Finde, dass das ein sehr spannendes Thema ist.

    Insb. die Analogie zur Eigentumswohnung zwingt sich ja förmlich auf. Hier hat man keine Bedenken, einen großen Teil des Kaufpreises auf Kredit zu kaufen. Bei Aktien soll dies gänzlich tabu sein. Es ist zu hinterfragen, ob dahinter nicht die irrige Annahme liegt, dass bei der Eigentumswohnung ein stabiler Wert als Sicherheit zur Verfügung steht, während dies bei Aktien nicht der Fall ist. Insb. ein gut diversifiziertes Dividendenportfolio sollte einem Kredit gut bekömmlich gegenüberstehen. So lange sich dieser Leverage in Maßen hält, kann er in der Tat zur langfristigen Verbesserung der Rendite dienen.

    Kurzfristig, also spekulativ, halte auch ich gar nichts vom Aktienkauf auf Kredit.

    Ich selbst habe keinen Kredit gegen mein Aktienportfolio aufgenommen, überlege es aber immer wieder.

    Viele Grüße,
    FF

  • EasyWISA

    Hallo Ric,

    sehr gute Einstellung. Sehe ich genau so. So bleibt man einfach viel flexibler und kann wesentlich ruhiger schlafen. Ich habe festgestellt, dass die Leute, welche auf Pump gekauft haben, v.a. zur falschen Zeit (d.h. wenn der Markt hoch stand) in die falschen Werte (z.B. Internetaktien) investiert haben und dann damit massiv auf die Fresse geflogen sind. In vielen Fällen haben die nur gezockt, da sie noch nicht mal einen Geschäftsbericht lesen wollten (noch konnten)…