Kleidung, aus dem Laden in den Müll 5


In diesem Beitrag geht es um Kleidung und darum, wie Kleidung mittlerweile zu einem Wegwerfartikel geworden ist. store-984393_1280

 

Geschichte

Kleidung gibt es seit über 75.000 Jahren und genoss in der Geschichte der Menschheit eine hohe Wertschätzung, denn Kleidung bot Schutz vor Umwelteinflüssen, hat vor allem gewärmt und später die Scham bedeckt und Auskunft über den Stand in der Hierarchie gegeben.

 

 

 

Aufgrund dessen, dass die Kleidung anfänglich aus Fellen hergestellt wurde, war es ein sehr großer Aufwand ein Kleidungsstück herzustellen. Die Kleidung wurde ewig verwendet und repariert, wenn sie mal kaputt ging. Quelle

 

Ausgaben

Was denkst du, gibt der durchschnittliche Deutsche im Jahr für seine Klamotten aus?

Pro Haushalt geben wir deutschen im Jahr gigantische 1.428 EUR für Schuhe und Kleidung aus. Im Monat sind das 119 EUR. (Daten aus dem Jahr 2013 Quelle)

Davon entfallen 51,5 % für Damenkleidung, 27% auf Herrenkleidung, 13,5% für Strümpfe, Kopfbedeckungen, Handschuhe und Bekleidungszubehör und 8% auf Kinderkleidung (Prozentangaben beruhen auf Daten von 2007 Quelle)

  • Rechnerisch gibt eine Frau somit im Monat 69 EUR (Jahr 828 EUR) für Kleidung und Schuhe aus (inklusive Strümpfe und co.).
  • Die Männer geben rechnerisch im Monat 40 EUR (Jahr 480) für Kleidung und Schuhe aus (inkl. Strümpfe und co.)

In Summe kauft jeder Deutsche im Monat 5! neue Kleidungsstücke. Quelle

Spannend ist, dass Männer die alleine leben fast 29% mehr für Kleidung ausgeben als Männer die nicht alleine leben. Auch bei Frauen gibt es einen deutlichen Unterschied, denn allein lebende Frauen geben 22,5% mehr für Kleidung aus als Frauen die nicht alleine leben. Quelle

 

Ausgabenentwicklung

Im Jahr 1970 haben die deutschen im Jahr 18,58 Mrd. EUR für Kleidung und Schuhe ausgegeben. Im Jahr 1980 haben sich die Ausgaben schon mehr als verdoppelt auf 39,18 Mrd. EUR.

im Jahr 1990 sind die Ausgaben weiter gestiegen auf 56,68 Mrd. EUR und heute sind es schon 76,24 Mrd. EUR. Quelle

 

Wie gehen wir mit unserer Kleidung um?

Greenpeace führte im Jahr 2015 eine Umfrage durch, bei der sie über 1.011 Menschen zwischen 16 und 69 Jahren befragten Quelle. Demnach besitzen die Deutschen in Summe 5,2 Mrd. Kleidungsstücke, von denen 40% selten oder nie getragen werden.

Frauen besitzen laut Greenpeace 118 Kleidungsstücke (ohne Strümpfe und Unterwäsche) während Männer nur 73 Stücke besitzen. Zudem zeigt sich, dass die Menschen mit einem höheren Einkommen deutlich mehr Kleidung besitzen, als Menschen mit einem geringeren Einkommen.

Jeder Achte trägt seine Schuhe weniger als ein Jahr lang und weniger als die Hälfte der Befragten hat seine Kleidung noch nie zu einem Schneider gebracht. Zudem waren von den 18- bis 29- Jährigen weniger als die Hälfte schon mal bei einem Schuster.

Der Grund Kleidung auszusortieren ist nicht, dass diese Kaputt ist, sondern 64% der Befragten geben an ihre Kleidung weg zu schmeißen, weil sie ihnen nicht mehr gefällt. Der Fokus liegt auf dem wegschmeißen. 83% der Befragten sagten, dass sie noch nie ihre Kleidung mit jemand anderem getauscht haben und mehr als die Hälfte hat noch nie Kleidung verkauft, sondern immer alles weggeschmissen. Quelle

 

Konsequenzen durch das Wegschmeißen

  • 1. Geld: Wir geben gewaltige Summen für Kleidung und Schuhe aus. Angenommen, man gibt im Monat 20 EUR weniger für Kleidung aus als der Durchschnitt, also bei Frauen 49 EUR und bei Männern 20 EUR im Monat und spart dieses Geld. Würde man das Geld nun für 6 % anlegen und das die nächsten 45 Jahre durchhalten, dann könnte man sich über ein Vermögen von 52.700 EUR freuen (vor Steuern). Quelle

 

  • 2.Umwelt: In den vorrangig asiatischen Produktionsländern vergiftet die wachsende Textilindustrie die Trinkwasserressourcen, so haben beispielsweise alleine in China 320 Mio. Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, zudem sind in China über 60% der Trinkwässer in Chinas Städten stark verschmutzt. Natürlich ist nicht alleine die Textilindustrie schuld, aber gerade bei der Textilherstellung werden viele giftige Chemikalien eingesetzt die krebserregend, toxisch oder hormonell wirksam sind. Zudem werden Wasserorganismen extrem geschädigt. Die Chemikalien der Textilindustrie sind mittlerweile so stark in unserer Umwelt verbreitet, dass sie sich beispielweise in der Leber von Eisbären und in der Muttermilch finden lassen. Quelle

 

  • 3. Menschen: Kein Geheimnis ist, dass es in den Kleidungsfabriken in Bangladesch, Kambodscha, Indien, Vietnam und China keine Schutzvorrichtungen von den Chemikalien gibt und die Menschen keine Schutzvorkehrungen haben. Die Näherinnen verwenden nicht mal Handschuhe, weil sie damit langsamer arbeiten könnten. Zudem sind Wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 97 Stunden die Woche keine Seltenheit Quelle. Anlässlich der Olympischen Spiele 2008 wurde in Peking eine Studie durchgeführt, die zeigte, dass bei den Untersuchten Betrieben in China, Indien, Indonesien und Thailand alle! Betriebe Kinder beschäftigten die teilweise unter 12 Jahre alt waren Quelle. Rechnet man aus, was die Näherinnen am Produktverkaufspreis verdienen, dann kommt man auf 0,4-1% Quelle. Das entspricht etwa 40 EUR an Gehalt im Monat Quelle.

 

Fazit

Ich kleide mich gerne modisch und lege schon viel Wert auf ein ordentliches Aussehen. Trotzdem gebe ich deutlich weniger Geld für Kleidung aus, als der Durchschnitt, einfach dadurch dass ich meine Klamotten länger trage. Ich will kein Moralapostel sein, aber dadurch, dass es keine Branche gibt, die ihre Arbeiter mehr ausbeutet als die Kleidungsindustrie, versuche ich das so wenig wie möglich zu unterstützen. Eine repräsentative Umfrage von Greenpeace unter Jugendlichen ergab, dass nur 3-6% die Öko-Marken wie Armed Angels oder Nudie Jeans kennen Quelle. Um ehrlich zu sein, ich kannte die Marken bis zur Recherche für diesen Beitrag auch nicht, aber wenn man Kleidung von solchen Herstellern kauft oder wenigstens seine Kleidung länger trägt und nicht als Wegwerfartikel betrachtet, schont man den Geldbeutel, schont die Umwelt und schont etwas die Menschen.

 

Was denkst du darüber, dass viele Kleidung als Wegwerfprodukte betrachten?

Was denkst du über die Ausgaben für Kleidung und was gibst du für deine Kleidung aus?


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5 Gedanken zu “Kleidung, aus dem Laden in den Müll

  • Stefan

    Hallo Ric,

    ein interessanter Beitrag. Ich finde es auch schwer nachzuvollziehen, wie viel manche Leute für Kleidung ausgeben, die sie nicht von Berufs wegen brauchen.

    Ich erinnere mich noch, wie eine Kollegin zu mir sagte: „Dein Pulli ist ja schon ganz schön ausgewaschen“. Der war vielleicht 2 Jahre alt und das wird etwa 1,5 Jahre her sein. Heute hatte ich diesen Pulli übrigens wieder im Büro an :-)

    Ich denke, ich kaufe recht häufig neue Klamotten. Das liegt allerdings daran, dass mein Arbeitgeber mir 40% Rabatt darauf gewährt.

    Vor allem bei Sneakern achte ich schon darauf, dass sie nicht heruntergekommen aussehen und kaufe mir häufig ein neues Paar.

    Es gibt allerdings auch genug Gegenbeispiele:
    – Mein Cousin ist 1,5 Jahre älter als ich und ist recht schnell aus seinen Sachen rausgewachsen (er ist etwa 2m groß). Als Kind war ich froh, seine Sachen weiter tragen zu können und damit Taschengeld zu sparen.
    – Ein guter Kumpel wollte vor einem Jahr ein paar Sachen loswerden (den genauen Grund weiß ich nicht mehr), die noch recht neu waren. Da hab ich direkt mal 3-4 T-Shirts abgegriffen.
    – Neulich fiel mir auf einem alten Schul-Klassenfoto auf, dass ich einen Pulli den ich zu Hause immer noch trage, bereits in der 9. oder 10. Klasse besaß (ich bin jetzt 29).
    – Zählt zwar nicht zu Kleidung, aber da ich ihn gerade sehe: Den einzigen Rucksack, den ich je gekauft habe, besitze ich seit der 8. Klasse. Der ist immer noch tiptop.

    Unter Kollegen finde ich es teilweise Wahnsinn, wie viel für Kleidung ausgegeben wird. Da bekommt man 40% Rabatt und spart am Ende doch keinen Cent.

    Grüße, Stefan

  • Ex-Studentin

    Hauptproblem bei Kleidung ist die zunehmend schlechtere Qualität. Meine Schuhe halten kein Jahr. Ich würde sie gerne länger tragen. 100€-Schuhe trifft das mittlerweile fast genau so so schnell wie Deichmann-Latschen. Ich kauf alleine deswegen weniger Klamotten, weil ich als Frau mit H&M nichts anfangen kann. Klamotten werden leider kaum noch auf Nachhaltigkeit produziert.

  • Alexander

    Also meine Frau liegt über dem Durchschnitt und ich darunter 😉
    Ich kaufe am liebsten Zeitloses (Vorteil Mann), dann kann ich die Sachen länger tragen und wenn sie nicht mehr für das Büro taugen, dann trage ich sie zuhause auf. Sind die Klamotten immer noch nicht kaputt, nehme ich sie für die Gartenarbeit oder für sonstige Arbeiten am Haus. Danach werden sie zerschnitten und meinem Vorrat für Putzlumpen zugeführt.
    Die Sachen, die meine Frau nicht mehr tragen möchte, verschenken wir. Da finden sich fast immer Abnehmer, da die Sachen noch sehr gut sind.
    Bei Schuhen habe ich das gleiche Gefühl wie Jennifer, die halten nichts mehr aus. Meine alten Motorradstiefel aus Leder sind zwar etwas in die Jahre gekommen, aber noch einwandfrei. Die neuen habe ich nach 3 Jahren weggeschmissen.
    Mein liebstes Stück ist ein alter Lederrucksack, über 30 Jahre alt und immer noch top in Ordnung. Der war schon auf der ganzen Welt unterwegs.

    Bin ich ein Öko? Nein, nur zu faul Klamotten zu kaufen 😉

  • Finanzr

    Meine Oma hat immer gesagt: „wir hatten nicht genug Geld um billige Sachen zu kaufen“

    Ich finde dein Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf! Denn wenn man bereit ist etwas mehr für seine Kleidung zu bezahlen, kann man Klamotten bekommen, die zum einen zeitlos sind und einfach auch mechanisch länger halten.
    Leider bedeutet teuer nicht zwangsläufig nachhaltig und stabil…

    Interessant finde ich das Konzept von Kyuichi: http://www.kuyichi.com
    Coole Sachen, vernünftiger (Premium) Preis und nachhaltig hergestellt.
    Aber sicher nicht für jeden erschwinglich.

    Viele Grüß
    Finanzr

  • Christopher

    Hallo,

    Guter Artikel, ich sehe das so wie Du. Die Öko-Marken kenne ich auch nicht. Allerdings trage ich meine Kleidung wirklich, bis sie komplett kaputt ist. Bei mir werden auch keine Glückshormone ausgeschüttet, wenn ich mir neue Kleidung kaufe, deshalb lasse ich das komplett, sofern es nicht notwendig ist.

    Ich gönne mir dafür lieber neue Schuhe für mein Auto oder so in der Art 😉 Da bin ich wohl etwas eigen.

    Aber ich glaube wirklich, dass man auch enorm viel sparen kann, wenn man sich nicht dem Konsumrausch von Kleidung hingibt.

    mfG Christopher