Kauf: Monsanto 11


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Von unbekannt – Vektordaten: http://www.monsanto.com/monsanto/images/content/media/logoEPS.zipFarbinfo: http://www.monsanto.com/monsanto/images/content/media/logoGIF.zip, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4385328

Vor einiger Zeit habe ich den Beitrag „Ethische Geldanlage“ geschrieben, in dem ich aufgeführt habe, warum ich nicht in Monsanto investieren werde.

Ich habe meine Meinung nun zum Teil geändert. Auf jeden Fall soweit, dass ich etwas Geld in Monsanto-Aktien investiert habe. Warum ich nun doch in Monsanto investiert habe, darauf gehe ich in diesem Beitrag ein.

 

Mein Kauf

Aufgrund einer zweiten Senkung der Gewinnprognose hat der Kurs von Monsanto gut gelitten. Auf Basis von einem Jahr, haben die Aktien von Monsanto 27% an Wert verloren.

Gekauft habe ich 16 Stück für einen Preis von 91,48 USD was in Summe 1.463,68 USD und beim aktuellen Wechselkurs von 1,08 EUR/USD 1.355,26 EUR entspricht.  Leider habe ich gestern blöderweise genau vor der zweiten Gewinnwarnung gekauft, somit ist die Aktie bei mir im Depot mit 6,63% im Minus.

 

Meine Motivation

Wie schon am Anfang des Beitrages erwähnt habe ich in meinem Beitrag über die ethische Geldanlage gesagt:

Der Marktführer von den Saatgutproduzenten ist das Unternehmen Monsanto. Monsanto verkauft nicht nur Saatgut, sondern auch Herbizide und hat ein quasi Monopol bei gentechnisch veränderten Feldfrüchten. So liegt der Marktanteil bei über 90% aller weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen.

Monsanto hat wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse gefälscht, verbietet den Bauern laut Vertrag den Konzern wegen Ernte- oder Ertragsausfällen zu verklagen, verbietet den Bauern die Ernteerträge erneut auszusähen, nimmt in extremform politischen Einfluss und trieb Bauern in Indien zum Selbstmord. Quelle

Und nur mal so. Monsanto war der Konzern, der das Gift „Agent Orange“ herstellte, welches im Vietnamkrieg  zur Tötung der Vietnamesen eingesetzt wurde und führt heute, nach 3 Generationen immer noch zu verkrüppelten und schwerbehinderten Kindern, da das in Agent Orange enthaltene Dioxin das ungeborene Kind im Mutterleib schädigt und sehr lange Zeit in der Umwelt verbleibt. Zudem ist es stark Krebserregend. Quelle

Meine Meinung:

Obwohl Monsanto durch seine Monopolstellung eine super Eigenkapitalrendite hat, würde ich aus oben genannten Gründen nicht in diesen Konzern investieren.

 

Das Verhalten von Monsanto in den genannten Fällen ist schon sehr krass und ich möchte die das Verhalten in diesem Beitrag auf keinen Fall schön reden. Trotzdem habe ich nun in Monsanto investiert. Warum?

Ich habe mit meiner Freundin bis letzte Woche einen Monat Backpacker-Urlaub in Thailand und in China gemacht. Wir sind viel herumgereist, haben viel erlebt und einige neue Erfahrungen gesammelt. Es war eine echt tolle Reise!!!!!

Was ich krass fand, ist die Menge an Menschen, gerade in China. Wir Menschen werden einfach immer mehr und haben ja heute schon teilweise das Problem, dass wir nicht alle satt werden. Gut, die einen werden sagen, dass wir in den westlichen Ländern weniger Ressourcen verbrauchen sollten und die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern dann mehr zu Essen haben. Aber so einfach ist das nicht. Es ist eher das Gegenteil zu sehen. Beispielsweise entwickelt sich in China eine immer stärkere Mittelschicht und überall sind westliche Werbung und westliche Produkte präsent. Die Chinesen schauen auf unsere Art zu leben auf und möchten in Zukunft genauso leben wie wir. Die Mittelschicht tut dies bereits.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass China mittlerweile 65,8% des weltweiten Schweinefleisches produziert, oder dass China bei dem Rang der Weltproduktion bei vielen Produkten auf Platz 1 steht, wie beispielsweise bei Getreide, Weizen, Reis, Äpfeln, Weintrauben, Kartoffeln, Fleisch im allgemeinen, Fisch, Baumwolle oder Gold? Quelle

 

Wir Menschen werden also nicht nur immer mehr, sondern die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern wollen genauso leben wie wir, im Überfluss. Die Nahrung würde vorne und hinten nicht reichen. Das Ergebnis wäre, wie so oft in der Geschichte wahrscheinlich ein Krieg um die zu knappen Rohstoffe und steigende Rohstoffpreise, was zu einem verhungern der ärmsten Menschen auf der Welt führen würde.

Nun zu Monsanto. Monsanto ist das Unternehmen, mit dem größten Anteil am weltweiten Umsatz mit gentechnisch verändertem Saatgut, nämlich mit 72%. Betrachtet man die Anbaufläche mit gentechnisch veränderten Pflanzen mit Technologie von Monsanto, beträgt der Anteil sogar 87%. Quelle

 

Gentechnisch verändertes Saatgut

Gentechnisch verändertes Saatgut ist gerade bei uns in Europa sehr umstritten und es gibt keine einheitliche Gesetzeslage in der EU. Aber was machen Pflanzen aus gentechnisch verändertem Saatgut aus? Durch das einpflanzen von Genen aus fremden Organismen in die DNA der jeweiligen Pflanze wird erreicht, dass sie Immun gegen Schädlinge ist und unter schlechteren Bedingungen wie Trockenheit oder in saurem Boden wächst, Veränderung der Nährstoffgehalte oder ein schnelleres Wachstum. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Auf der Welt gibt es nur eine begrenzte Menge an Bodenfläche, auf der Nahrungsmittel angebaut werden können. Durch die Produktion von Bio-Kraftstoffen, Bodenerosion und Desertifikation (Verwüstung) nimmt die Fläche weltweit sogar in Summe ab. Aus meiner Sicht gibt es vier Möglichkeiten, die Nahrungsmittelproduktion auf der Welt zu vergrößern. Die erste Möglichkeit wäre, durch verschiedene Projekte die Anbaufläche auf der Welt zu vergrößern. Die zweite Möglichkeit ist durch klassische Züchtung eine bessere Ausbeute zu erreichen. Die dritte Möglichkeit ist, die Ausbeute pro Hektar zu vergrößern und die vierte Möglichkeit, durch ein schnelleres Wachstum der Pflanzen die Ausbeute pro Hektar auf das Jahr gesehen zu vergrößern. Gentechnik setzt bei der dritten und vierten Möglichkeit an und erreicht effektiv gesehen eine deutlich größere Ausbeute.

Die Kritiker sagen, dass die Pflanzen häufig vor ausstreichenden Tests auf den Menschen auf den Markt gebracht werden. Häufig werden die Pflanzen sterilisiert, also so entwickelt, dass sie sich von alleine nicht mehr vermehren. Dies führt einerseits dazu, dass sich die Pflanze nicht unkontrolliert vermehrt und andererseits, dass die Bauern jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen.

Die Liste der Kritiken ist sehr lang und kann auf Wikipedia nachgelesen werden.

Ich persönlich bin froh, dass in Deutschland die Gesetze bei der Gentechnik so streng sind und ich esse deutlich lieber Nahrung aus nicht gentechnisch veränderten Pflanzen. Trotzdem denke ich, dass es aufgrund des starken Bevölkerungswachstums nicht viele Alternativen gibt. Mir fallen keine weiteren ein…

Über eure Meinung hierzu freue ich mich in den Kommentaren.

 

Geschichte

Monsanto wurde 1901 als Hersteller von Saccharin (Süßstoff) geründet und weitet sein Geschäft in den folgenden Jahren auf Koffein und Vanillin aus. Im Jahr 1936 kaufte Monsanto Thomas and Hochwalt Laboratories, welche die komplette Forschungsarbeit von Monsanto übernahm.

1944 wurde Monsanto von der US-amerikanischen Regierung zur kriegsbedingten Produktion von DDT eingespannt, welches zur Entlausung und als Mittel gegen Malaria eingesetzt wurde.

1960 baute Monsanto die landwirtschaftliche Sparte mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf.

Während des Vietnamkriegs 1965 bis 1970 war Monsanto der wichtigste Lieferant des Herbizids Agent Orange, was zur Entlaubung von Wäldern und anderen Pflanzen eingesetzt wurde um einen Vorteil im Krieg zu haben und was heute noch zu Fehlbildungen bei Neugeborenen und zu einer hohen Krebsrate in Vietnam führt.

1968 trieb Monsanto die Forschung bei LED´s voran und war die erste Firma die LED´s in der Massenproduktion produzierte. Diese ermöglichten die ersten Taschenrechner und digitalen Armbanduhren.

1980 erwarb Monsanto eine Beteiligung an Biogen und investierte selbst zunehmend die Gewinne im Bereich Biotechnologie.

1982 gelang es Wissenschaftlern von Monsanto das erste mal in der Geschichte, dass eine gentechnische Veränderung an eine Pflanze gelang.

1992 brachte Monsanto das erste gentechnisch Veränderte Produkt auf den Markt, nämlich ein Hormon was zu einer höheren Milchleistung bei Kühen führt. Dieses Geschäftsfeld wurde im Jahr 2008 komplett verkauft.

1997 erwarb Monsanto die Firma Calgene, die es zum ersten mal schaffte, eine gentechnisch veränderte Tomate in den USA zuzulassen.

2000 verkaufte Monsanto das gesamte Süßstoffgeschäft.

2000 wurden 15 % der Aktien an die Börse gebracht.

2002 erfolgte der komplette Börsengang.

Bis heute übernahm Monsanto immer mehr Hersteller von gentechnisch veränderten Pflanzen und Saatgut.

 

Geschäftsmodell

Monsanto hat zwei Geschäftsfelder. Das erste ist das Geschäft mit Saatgut und das zweite, dass mit Pflanzenschutzmitteln.

Neben gentechnisch verändertem Saatgut liefert Monsanto über Tochtergesellschaften Saatgut für Obst und Gemüse in über 150 Länder. Monsanto hat an dem weltweiten Saatgutmarkt einen Anteil von 23% und hat damit den weltweit größten Anteil am Gesamtmarkt. Quelle

Das größere der beiden Segmente ist somit das Saatgutsegment, welches 68% des Umsatzes erwirtschaftet. Die übrigen 32% des Umsatzes werden mit Pflanzenschutzmitteln erwirtschaftet Quelle. Zu den Pflanzenschutzmitteln gehört vor allem das Herbizid Roundup

Monsanto erwirtschaftet 57% seines Umsatzes in den USA, 12% in Europa und Afrika, 10% in Brasilien, 7% in Asien/ Pazifik und 14% in den übrigen Regionen. Quelle

Spannend ist, dass in den USA zwar die größten Umsätze erzielt werden, aber die USA „nur“ auf 44% ihrer Anbaufläche gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen was immer noch einer gigantischen Anbaufläche entspricht. Die Quote von Brasilien liegt mit 56 % deutlich höher, jedoch noch nach Argentinien mit 64%, Uruguay mit 83% und vor allem Paraguay mit 92%. Quelle

 

Fundamentaldaten

Monsanto erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 14,97 Mrd. USD und einen Gewinn von 2,31 Mrd. USD nach Steuer. Das entspricht einer schönen Umsatzrendite von 15,43 %. Die Eigenkapitalrendite liegt bei gigantischen 33,10 %.

Die hohe Eigenkapitalrendite kommt durch eine relativ hohe Verschuldung, so liegt die Eigenkapitalquote bei „nur“ 31,9 %.

Das KGV liegt momentan bei 17,13. Die Marktkapitalisierung liegt bei 37 Mrd. USD. Quelle

Die Ausschüttungsquote beträgt niedrige 41,4 %. Quelle

Die Dividende wird seit dem ersten Börsengang im Jahr 2000 gezahlt. Seitdem wird die Dividende jedes Jahr erhöht!

Monsanto hat die Dividende in den letzten 7 Jahren jedes Jahr zwischen 3,86% und 24,7% gesteigert. Im Schnitt betrug die Steigerung über die letzten 7 Jahre 10,55 % Quelle. Die letzte Erhöhung betrug 12,93 % Quelle.

Die Dividendenrendite liegt bei dem aktuellen Kurs von 85,30 USD bei 2,53%. Quelle

Hier zur Verdeutlichung eine Darstellung wie sich die Dividende im Verhältnis zum Gewinn entwickelt hat:

Ergebnis je Aktie-Dividende Monsanto

Zudem hier eine Darstellung, wie sich die Ausschüttungsquote entwickelt hat:

Ausschüttungsquote Monsanto

 

Aktuelle Situation & Ausblick

Monsanto musste vor ein paar Tagen die Gewinnprognose für dieses Jahr bereits zum zweiten mal senken, Das sieht natürlich immer schlecht aus. Wo liegen die Probleme? Aktuell hat Monsanto ein paar Probleme in den Schwellenländern, was jedoch eher auf Turbulenzen in den Ländern zurückzuführen ist. Zudem ist in einigen Ländern, wie Argentinien die Währung stark abgestürzt und der Doller hat gleichzeitig weiter aufgewertet. Dies führt natürlich in der Heimatwährung zu geringeren Erträgen. Quelle

Ein größeres Problem, was auch die Abwertung an der Börse rechtfertigt ist, dass die WHO den Inhaltsstoff Glyphosat, der bei dem Hauptumsatzbringer von den Pflanzenschutzmitteln „Roundup“ vorkommt, als möglicherweise Krebserregend eingestuft hat. Seitdem ist der Preis von Roundup gesunken und es bleibt offen, ob weitere Länder ein Verbot verhängen. Was man jedoch auch sagen muss ist, dass ein anderes Gremium bei der WHO sagt, dass “ nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein gesundheitliches Risiko für den Menschen zu erwarten sei“. Quelle

Nächste Woche entscheidet beispielsweise die Europäische Kommision über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat für weitere 15 Jahre und ich bin überzeugt, dass die Kommission für eine Verlängerung stimmen wird. Ein weiterer Punkt ist, dass vor kurzem eine Studie erschienen ist die aussagt, dass bei 99,6% der deutschen Glyphosat im Urin nachweisbar sei. Quelle

Ich persönlich denke, dass Monsanto langfristig weiterhin gute Geschäfte machen wird und die Gentechnik immer mehr verbreitet wird.

 

Fazit

Ich habe lange überlegt, ob ich in Monsanto investieren möchte. Nun habe ich mich entschieden und habe investiert. Ich denke, dass ich die investition für mich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Sollte der Kurs aufgrund der aktuellen Probleme weiter nachgeben werde ich noch einmal zugreifen und meine Position weiter aufstocken.

Wenn du mehr über Monsanto erfahren willst, kann ich dir diesen Film empfehlen

 

Wie denkst du über Monsanto. Würdest du auch in Aktien von Monsanto dein Geld investieren?

 


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11 Gedanken zu “Kauf: Monsanto

  • Alex

    Da hast du wirklich ein Wespennest ausgesetzt.
    Es ist aber manchmal wirklich nicht einfach, ethische und moralische Aspekte mit der Wirtschaftlichkeit zu vergleichen.
    Im Grunde, wenn man mal ehrlich zu sich selbst ist, gibt es unzählige Firmen die ähnliche Geschäftsgebaren an den Tag legen.
    Apple lässt von hunderttausenden Chinesen zu Billiglöhnen seine hochpreisigen Produkte produzieren. Nestle gräbt in ganzen Regionen den Einheimischen das Wasser ab. Unsere Lebensmittel bestehen heutzutage aus Ingredienzien die niemand kennt und welche ab einer bestimmten Dosis gesundheitlich bedenklich sind. Dafür sind Lebensmittel monatelang haltbar.
    Das alles kann nicht normal und gesund sein. Dennoch stellt sich die Frage, was dagegen tun? Wenn die besagten Unternehmen es nicht mehr tun würden, würden es dann nicht andere Unternehmen tun? Es ist leider alles nicht so leicht Ja oder Nein zu etwas zusagen.
    Was mich aber gerade bei Monsanto stört, ist deren grundsätzliche Einstellung, dass ihnen alles gehört. Es kann einfach nicht im Sinne der Menschheit sein, wenn eine Pflanze die von ganz allein nachwächst und so einen natürlichen Zyklus generiert, künstlich davon abgehalten wird dies in Zukunft auch zu tun.
    Und dies wird nicht gemacht, weil es dadurch bessere Erträge gibt, nein, einzig und allein der Gewinnmaximierung wird dies gentechnisch verändert. Und das hat nichts mehr mit wirtschaftlicher Wertschöpfung zu tun, indem man aus unterschiedlichen Produkten neue Produkte schafft die nachgefragt werden.
    Projiziere mal dieses Verhalten auf andere Bereiche. Zum Beispiel bei der Entscheidung ein Kind zu bekommen. Oder wenn man einfach in die Natur geht und sich den natürlichen Ressourcen bedient. Es würde nicht mehr möglich sein und dieses Verhalten halte ich für sehr bedenklich.
    Und grundsätzlich gibt es kein Nahrungsproblem auf dieser Welt. Da gab es schon einige Dokumentationen zu. Das Problem liegt an den Dingen die wir essen. Übermäßiger Fleischkonsum, ungesunde Fertigprodukte die in der Herstellung praktisch nichts kosten und nichts an nahrhaften Dingen enthalten. Die Menschen sind leider zu leicht manipulierbar, daher wird sich so schnell auch nichts ändern. Mangelnde Bildung in vielen Teilen der Erde führt auch diesem Verhalten. Jeder kann nur für sich Entscheidungen bzgl. seines zukünftigen Lebens treffen.
    Und viele Entscheidungen kann man erst aus wirklich moralischen oder ethischen Gründen treffen, wenn man selbst von Problemen betroffen ist. Man muss selbst die negativen Erfahrungen mitmachen um die Augen geöffnet bekommen. Das wünscht man natürlich niemandem, aber anders werden viele keinen anderen Blick auf die Dinge bekommen.
    Gruß
    Alex

    • Ric Beitragsautor

      Hallo Alex,

      Wenn man als Anleger die ethischen Gesichtspunkte berücksichtigt wird es wirklich schwierig. Was ist für einen ok. Ist es ok, dass viele Konzerne von prekären Arbeitsverhältnissen und teils sogar Sklaverei profitieren?
      Ist es ok, dass das Gesundheitssystem privatisiert ist und kaputt gespart wird oder dass die Nahrungsmittelkonzerne uns durch übermäßigen Einsatz von Zucker, Aromen und Chemie krank machen?
      Wenn man genau hinschaut darf man eigentlich kein Investment tätigen. Geld und die Gier nach Geld fördert einfach nicht die besten Eigenschaften der Menschen zu tage. Jedoch leben wir in einem System wo ohne Geld gar nichts geht und wir als Aktionäre haben eine Verantwortung ja, aber ich würde zum Beispiel nicht zu einer Hauptversammlung von VW gehen und das Ausquetschen der Zulieferer anprangern. Ich glaube nicht, dass ich als Kleinstaktionär einen Einfluss habe.

      Man kann das ewig weiterspinnen. Wir greifen alle zu den billig Lebensmitteln und wundern uns darüber wenn ein Skandal aufdeckt, dass wein gepanscht wird, teure Inhaltsstoffe durch Zucker ersetzt werden oder minderwertiges Fleisch verarbeitet wird. Gleichzeitig investieren wir in Aktien oder die Allgemeinheit in Aktienfonds und erwarten eine überragende Rendite. Woher soll das Wachstum in einem begrenzten Markt also kommen?

      Viele Grüße
      Ric

  • SL_Franziskus

    Hallo Ric,

    so richtig überzeugst Du mich nicht mit dieser Entscheidung ;-)! Monsanto ist sicher kein Sympathieträger (wollen sie wohl auch nicht sein), und ich stimme zudem Alex zu, wenn er schreibt: „Es kann einfach nicht im Sinne der Menschheit sein, wenn eine Pflanze die von ganz allein nachwächst und so einen natürlichen Zyklus generiert, künstlich davon abgehalten wird dies in Zukunft auch zu tun.“
    Das ist für mich – verbunden mit dem vehementen, ja militanten Vorgehen gegen jede Form von Kritik – schon nochmal eine andere Dimension als z. B. schlechte Arbeitsbedingungen bei Zulieferern oder Preisabsprachen. Insofern sehe ich mich jetzt nicht als ethischen Puristen, aber aus meiner Sicht wird hier die Grenze massiv überschritten.

    Aber auch was die sachlich-wirtschaftlichen Gründe angeht bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich ein lohnendes Investment ist bzw. ob es nicht bessere Alternativen gäbe.
    Zunächst stellt sich mir hier die Frage, ob die Grüne Gentechnik wirklich ein signifikantes Mittel gegen den Welthunger sein kann. Denn bei großen Hungersnöten spielen statt reiner Knappheit eher Verteilungsfragen eine zentrale Rolle (vgl. Amartya Sen), beim Problem der (zu) knappen Anbauflächen eben nicht zuletzt unsere Lebens- und Konsumgewohnheiten und damit die Frage, was wofür angebaut wird (Viehzüchtung, Agrosprit,…). Auch die Wetter- bzw. Klimaproblematik spielt hier noch mit rein.
    Ob sich diese Probleme ausgerechnet durch die mit der Grünen Gentechnik notwendig verbundene Tendenz zu noch größeren Betrieben, noch mehr Monokulturen und monopolistischen Strukturen lösen lassen, bezweifele ich persönlich. Beispielsweise werden Zugang zu und freie Nutzung von Saatgut ja durch Monsanto und Co. gerade erschwert. Weiterhin liest man immer öfter, dass die Grüne Gentechnik mehr und mehr an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stößt, dass Resistenzen (ähnlich wie bei Antibiotika) rasant zunehmen und dann sogar mehr gespritzt werden muss als bei herkömmlichen Pflanzen, etc.
    Ganz interessante Infos zur Hungerbekämpfung durch Gentechnik findet man z. B. hier (allerdings klar aus der Contra-Perspektive): http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/209/schaffrath-rosario/hungerbek%C3%A4mpfung-durch-gentechnik
    Auch wenn ich nicht alle Ausführungen des Gen-ethischen Netzwerks teile, so erscheint mir die vielfach propagierte Rolle der Grünen Gentechnik als Schlüsseltechnologie gegen den Welthunger doch zumindest stark übertrieben.

    Und auch die reinen Zahlen finde ich jetzt nicht so ansprechend. Z. B. EK-Quote von 31 % hast Du ja bereits erwähnt und ist auch noch ok, finde ich. Aber die hat sich (auch in absoluten Zahlen) in den letzten zwei Jahren fast halbiert! Und auch die internen Strukturen scheinen eher ungut zu sein (siehe z. B. http://action.sumofus.org/de/a/monsanto-hauptversammlung-de/?sub=taf). Da gibt es meiner Meinung nach echt bessere Unternehmen.

    Da ich nicht nur meckern will, hier meine Alternative, die dänische Firma Novozymes. Gleich vorweg: Auch das ist für mich nicht der allergrößte Sympathieträger und ich bin folglich selbst auch hier nicht investiert. Das Unternehmen sieht aber an sich schon interessant aus und steht für meinen Geschmack auf einer deutlich solideren Basis als Monsanto. Novozymes stellt, wie der Name erahnen lässt, vor allem Enzyme für verschiedenste Branchen her. Z. T. gelten sie damit sogar als Öko-Vorreiter, z. B. was den Einsatz in Waschmitteln angeht. Gleichzeitig kooperiert man mit Monsanto im Bereich des Einsatzes von Mikroorganismen in der Landwirtschaft, einem offensichtlich recht aussichtsreichen Thema. Ausführliche Infos gibt es in folgenden Artikel: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-mikroben-fuer-bauern-1.2640280
    Diese Kombination aus innovativen Ansätzen und klassischem „Brot-und-Butter-Geschäft“ erscheint mir reizvoll. Auch die Zahlen sehen hier sehr solide aus, Eigenkapitalquote z. B. > 60 %.

    So viel zu meinen Gedanken zu diesem wirklich nicht einfachen Thema. Ethische Entscheidungen sind immer schwierig zu treffen. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute bei deinen Investments, aber das hier ist aus meiner Sicht eher ein emotionaler Schnellschuss gewesen, nichts für ungut.

    • Ric Beitragsautor

      Hallo SL-Franziskus,

      danke für deine ehrliche Meinung und auch für deinen alternativ Vorschlag.
      Ich werde jetzt nicht sofort verkaufen, aber du hast mich wirklich zum Nachdenken gebracht.
      Mal sehen was aus der möglichen Übernahme von Monsanto durch Bayer wird, vielleicht kann ich dadurch mit einem satten Gewinn verkaufen.

      Viele Grüße
      Ric

  • Aktionär

    Hallo Ric,

    ich fand den Artikel über den ethischen Umgang mit Geldanlage ganz gut. Die meisten Unternehmen sind eben keine Heiligen,
    sind wir sicherlich auch nicht alle, und trotzdem ist es ok sich daran zu beteiligen. Gleichzeitig gibt es aber Unternehmen die Welt schlechter machen und von denen man kein Unterstützer sein sollte.

    Diese Aktion verstehe ich nicht. Du hast Die Auswahl zwischen Tausenden von Aktien und möchtest jetzt genau diese haben,
    die sich der Gesellschaft gegenüber daneben benimmt. Warum? Wirst Du nicht jetzt über Jahrzehnte bei jedem Blick in das Depot ein ungutes Gefühl haben? Wirst Du Dich über die Dividende freuen können?

    Das Argument mit dem Bevölkerungswachstum teile ich nicht. Aktuell denke ich, dass bei besserem Wirtschaften genug da wäre und langfristig ist die Überbevölkerung selbst das Problem. Denn man wird den Bedarf (nicht nur an Lebensmitteln) einer ständig exponentiell wachsenden Bevölkerung generell nicht befriedigen können.

    Ich finde es gut, dass Du hier transparent geblieben bist und den Kauf nicht unerwähnt gelassen hast, auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass die Chance auf Profit diesen Kauf Wert ist.

  • Der Privatier

    Zuerst die Antwort: NEIN – Monsanto kommt mir nicht ins Depot!

    Aber es ist schon eine schwierige Frage. Selbst wenn man sich Mühe gibt, nur Unternehmen auszusuchen, bei denen man von einem ethischen, nachhaltigen und ökologischen Handeln ausgehen kann, wird man immer irgendwo etwas finden, was nicht in Ordnung ist.

    Dennoch: Als Aktionär bist Du (wenn auch nur in gaaanz kleinem Maße) Eigentümer des Unternehmens. Es ist DEIN Unternehmen!
    Alles, was die Firma macht, geschieht auch in Deiner Verantwortung. Kannst Du Dich vor den Spiegel stellen und (stolz?) behaupten: „Monsanto! Das ist meine Firma! Wow!“ Ich könnte das nicht.

    Wie gesagt, es ist schwierig. Und ich will auch nicht behaupten, dass meine Investments alle „korrekt“ wären. Das ist eben oft auch Ansichtssache. Während ich stolz darauf bin, mit der Firma Nordex an einem Unternehmen beteiligt zu sein, dass eine umweltfreundliche Energieversorgung vorantreibt, wettern auf der anderen Seite die Vogelschützer und die Gegner der verspargelten Landschaften.

    Oftmals hat man wohl nur die Wahl, sich für das kleinere Übel zu entscheiden. Und mir sind ein paar (oder auch mehr) Windkrafträder immer noch lieber als ein herkömmliches Kraftwerk. Auch kein schöner Anblick. Und wenn dann wirklich mal ein Vogel geschreddert wird (halte ich für ein Gerücht), dann würde mir das leid tun, aber ich würde es in Kauf nehmen.

    Aber Monsanto gehört für mich ganz klar nicht auf die Liste der „kleineren Übel“, sondern ganz ans andere Ende! Einer der größten Übel überhaupt. Du hast ja die Liste der wichtigsten Kritikpunkte selber aufgezählt. Und: Nein! Das soll ganz sicher nicht „meine“ Firma sein.

    Deine Begründung ist ja u.a., dass Du nur mit den Produkten von Monsanto eine Chance siehst, langfristig für eine ausreichende Ernährung der Menschheit zu sorgen. Ich habe gerade keine belegbaren Zahlen parat, aber die eigentlichen Ursachen für Hunger und Mangel bei der Ernährung sind nicht schlechte oder unergiebige Ernten (oder Bio-Kraftstoff u.ä.), sondern die sinnlose Verfütterung wertvoller Nahrungsprodukte an sog. „Nutztiere“. Die sog. „Nutztiere“ fressen Unmengen an wertvollen Lebensmitteln, oft jahrelang. Bis Du dann endlich Dein 200g Steak essen kannst, hat so ein Tier schon die 10 bis 20fache Menge an Lebensmittel verbraucht. Und die dafür notwendigen Ackerflächen, die mit Chemie vollgepumpt werden. Und da die nicht reichen, wird der Regenwald abgeholzt. Die sog. „Nutztiere“ verbrauchen Unmengen an Wasser, verpesten die Luft und mit ihren Ausscheidungen vergiften wir unsere Böden und das Grundwasser.

    Einmal ganz abgesehen davon, dass die heutige übliche Massentierhaltung einfach pervers ist. Und auch hier gilt: Ich möchte dafür nicht verantwortlich sein! Nicht in meinem Namen und nicht in meinem Auftrag.

    DAS ist das Problem! Und da helfen auch die Chemie- und Gen-Keulen von Monsanto nichts. Sie machen nur alles noch schlimmer.

    Ich sage es zum Schluss noch einmal: Ich bin auch weit davon entfernt, alles „richtig“ zu machen und ich habe für viele Fragen auch keine vernünftige Antwort. Aber ich versuche es. Jeden Tag.
    Und eine Antwort habe ich schon: Monsanto? Never!!

    Gruß, Der Privatier

  • Markus

    ach ja, im Oktober läuft das Verfahren gegen Monsanto beim internationalen Gerichtshof in Den Haag an.
    Anklagepunkte: Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Umwelt…

  • Anita Twiss Beitragsautor

    Servus Ric! Sehr gerne möchte ich reagieren auf einiges was du geschrieben hast. Kleine Vorwarnung: Ich bin Holländerin (wohne in Österreich) und werde so manche Grammatikfehler machen! Finanziele Freiheit hat auch meine Interesse, nur bin ich leider auf dem Finanzmarkt ein komplette Dödel…. Ich beschäftige mich mit Nachhaltigkeit, Gesundheit, Bio und Fairtrade, online shoppen und persönliche Beratung meiner Kunden, ich baue Teams auf in verschiedenen Länder und auch das ist ein Stück Einkommen. Ich reagiere auf dein Blogtext über Kleidung und Monsanto. Was du über Kleidung schreibst, kann ich ganz nachvollziehen. Die meiste Menschen lassen sich mitreißen was Mode ist oder sein soll und wenn man nicht mitmacht, gehört man nicht dazu. Mir ist das völlig Egal, meine Kinder haben da noch was zu lernen. Vielen sind sich nicht Bewusst woher unsere Kleidung kommt und welches Leid dahinten steckt aber auch welche Umweltverschmutzung das bringt. Deine Auseinandersätzung über Monsanto kann ich verstehen und respektieren, doch ich denke, Finger weg da, weil sie nicht nur Genetisch manipulieren, aber auch nach die Macht greifen… Kennst du den Ökofim „Tomorrow, Die Welt ist voller Lösungen“? Diesen Satz hat mich begeistert! Nicht die Schlechten“ gewinnen lassen, Lösungen finden. Im Endeffekt wird Monsanto zuviel von unsere unschatzbare Natur vernichten, Das darf nicht sein.
    Wurde mich freune über deine Reaktion. Liebe Grüße, Anita Twiss

    • Ric Beitragsautor

      Hallo Anita,

      den Film habe ich bisher noch nicht gesehen. Danke für den Tipp :-)
      Das Monsanto nach der Macht greift und die Politik beeinflusst stimmt. Nur macht das leider jeder Konzern. Leider vor allem die Waffenhersteller.
      Ich glaube, dass Monsanto nicht immer rechtens handelt, aber ich glaube das viele Unternehmen Entscheidungen treffen, die gut für die Aktionäre, aber nicht unbedingt für die Menschen sind. Wie oft ließt man, dass die Verbraucher betrogen wurden durch falsche Kennzeichnung oder Kinderarbeit (Nestlé, Coca-Cola) Quelle und Quelle.
      Jeder muss hierzu aus meiner Sicht seine eigene Entscheidung treffen.
      Ließ dir dazu gerne einmal meinen Artikel über die ethische Geldanlage durch.

      Viele Grüße
      Ric

      Viele Grüße
      Ric