Ethische Geldanlage 5


Esther Stosch  / pixelio.de

Esther Stosch / pixelio.de

Die Börse wird von Leuten, die sich für rechtschaffen halten, gewöhnlich als moralisch verworfen angesehen.

Johannes Kenneth Galbraith

 

 

 

 

In meinem heutigen Beitrag geht es, wie man am Zitat schon sieht um ethische Geldanlage und um die Moral. Außerdem werde ich die Frage ob die Börse wirklich moralisch verwerflich ist beantworten.

 

Eine keine Vorgeschichte

Ich habe mir grade zu Beginn meiner Investitionen viele Gedanken über die Moral und die Ethik bei der Geldanlage gemacht. In mache Unternehmen investiere ich, in andere wiederum nicht.

Eliona hat mich in meinem Beitrag Selbstverantwortung in den Kommentaren gefragt ob ich mir zu dem Thema Gedanken mache und dass sie zum Beispiel wegen ihrem Gewissen nicht in Nestlé oder in ETF´s investieren würde. In welche Unternehmen ich investiere und wie ich das Thema der ethischen Geldanlage sehe, darauf gehe ich folgend näher ein.

Anmerkung: Sich eine eigene Meinung zu bilden ist gar nicht so einfach. Ich habe immer wieder an diesem Artikel geschrieben, habe überlegt und wieder geändert. Bis zur Veröffentlichung habe ich so über 3 Wochen gebraucht. Das zeigt, wie schwierig dieses Thema ist.

 

Das Gewissen

Zuerst einmal zu dem Begriff Gewissen, denn hier scheiden sich schon die Geister. Alleine wenn man bei Wikipedia „Gewissen“ eingibt, geht es über die philosophische Sichtweise, die religiöse Sichtweise, die soziologische Sichtweise, die verhaltensbiologische Sichtweise und natürlich die juristische Sichtweise.

Um im Bezug zu diesem Artikel einen Standpunkt festzusetzen, verdeutliche ich mal, was ich persönlich unter dem Gewissen verstehe. Ob sich dies mit deiner Sicht deckt, dass kannst du gerne in den Kommentaren erläutern.

Ich denke, das Gewissen ist eine Kontrollinstanz im menschlichen Bewusstsein. Diese Instanz spricht über die innere Stimme und teilt somit seine Meinung mit. Das Gewissen selbst setzt sich aus ethischen, moralischen und intuitiven Komponenten zusammen und ist das Ergebnis von Erziehung sowohl durch das Umfeld aber auch durch die Gesellschaft in der jemand aufwächst.

Weiterhin die gegenwärtige Gesellschaft in der jemand lebt und der gegenseitigen Beeinflussung der Menschen in dieser Gesellschaft. Ich denke in diesem Zusammenhang an die Zeit der Nazis und der Beeinflussung durch die Gesellschaft die dafür sorgt, dass das Gewissen andere Maßstäbe ansetzt und Menschen Dinge tun, die sie normalerweise nie tun würden. Stichwort „Die Welle“.

Als letztes denke ich, dass das Gewissen das Ergebnis von Erfahrungen und der Identitätsbildung allgemein ist. Mit Identitätsbildung meine ich die Entscheidungen die jemand in seinem Leben trifft, die dazu führen das man der Mensch wird, der man später ist.

 

Das Gewissen bei der Geldanlage

Wenn man nun das Gewissen auf die Geldanlage überträgt und sich mit der Moral und der Ethik bei der Geldanlage beschäftigt, kommt man schnell auf Branchen die aus der Sicht des Gewissens negativ klingen. Nämlich unter anderem die Branchen Rüstung, Tabak, Alkohol, Drogen, Glücksspiel und Prostitution aber auch Rohstoffe, Öl, Nahrungsmittel, Pharma, Banken, Chemie und Saatgut.

Ich gehe nun auf die einzelnen Branchen ein und gebe nach dem Blick auf das moralisch verwerfliche jeweils meine Meinung dazu ab.

Schauen wir uns als erstes die Prostitution an:

 

  • Prostitution

Obwohl die Prostitution das älteste Gewerbe der Welt darstellt, kann man an der Börse zum Glück nicht in diese investieren. Jedoch in das „Zubehör“. So musste ein Fond der Union Investment der mit den beiden Kircheninstitutionen Liga- und Pax-Bank kooperiert das Unternehmen Reckitt Benckiser verkaufen, da der Konsumgüterkonzern die Kondome der Marke Durex produziert. Quelle

Meine Meinung:

In die Prostitution würde ich nicht investieren, auch wenn ich es könnte. In Unternehmen wie Reckitt Benckiser würde ich nicht nur investieren, sondern in Reckitt Benckiser habe ich investiert. Kondome und Pflegeprodukte sind aus meiner Sicht eine feine Sache und ein lohnendes Investment.

 

  • Glücksspiel

In Glücksspiel kann entweder über die Automatenhersteller wie International Game Tech oder auch direkt in die Kasinobetreiber wie Las Vegas Sands investiert werden. Wer schon mal einen spielsüchtigen Erlebt hat und mitbekommt wie er sein Leben komplett in die Mülltonne schmeißt weiß wie unmoralisch dieses Geschäft ist.

Meine Meinung:

In Glücksspiel habe ich nicht investiert und werde es auch nicht tun, da mich die Investition nicht reizt, mir keinen großen und planbaren Gewinn beschert und ich die Spielbuden einfach nicht mag. Moral hin oder her.

 

  • Tabak

Rauchen tötet jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen in Deutschland. Das sind mehr tote als durch Aids, Verkehrsunfälle, Mord, Selbstmord und Terrorismus zusammen!!! Rund 90% der Lungenkrebserkrankungen werden auf Zigarettenrauchen zurückgeführt. Eine Langzeituntersuchung von 35.000 britischen Ärzten über 50 Jahre hinweg ergab, dass Nichtraucher im Durchschnitt  zehn Jahre länger lebten als lebenslange Raucher die früh an Krebs, Herzleiden und Atemwegserkrankungen starben.  Rein informativ: Wer vor seinem 30 Lebensjahr mit dem Rauchen aufhört, der gewinnt die verlorenen 10 Jahre vollständig zurück. Wer mit dem 40, 50 oder 60 Lebensjahr aufhört der kann damit rechnen neun, sechs und drei der verlorenen zehn Jahre zurück zu gewinnen.

Meine Meinung:

Du wirst jetzt vielleicht den Kopf schütteln, aber ich halte die Investition in Tabak-Konzerne für eine tolle Sache. Ich habe selbst fast 10 Jahre geraucht und habe das rauchen vor mehr als zwei Jahren aufgegeben. Ich weiß wie süchtig Nikotin macht und wie schwer es ist, damit aufzuhören. Aber aus Investoren Sicht eine tolle Sache (für die Krankenverischerer, die Beitragszahler und die Raucher selbst natürlich nicht).

 

  • Alkohol

Wer einen Alkoholkranken in seiner Familie oder im Bekanntenkreis hat, der weiß dass Alkohol Familien zerstört. Kinder werden vernachlässigt und Ehen gehen in die Brüche. Der Konsum von Alkohol sogt dafür, dass die Gehirnsubstanz weniger wird, er verursacht Depressionen Quelle, führt zu Nervenerkrankungen und kann Krebs erzeugen.

„Nach einer 2010 durchgeführten Studie zur Neubewertung diverser psychotroper Substanzen ist Alkohol nach Crack, Heroin und Methamphetamin die für den Einzelnen, gemessen an Suchtpotential und gesundheitsschädigender Wirkung, viertschädlichste Droge unter den Rauschmitteln. Gemessen am Schaden für andere und damit auch in der Gesamtbewertung wird Alkohol als schädlichste Substanz eingeschätzt.“

Quelle

Trotz des Risikos der Abhängigkeit ist Alkohol mit 1,6 Millionen abhängigen die Volksdroge Nummer eins Quelle. Investitionsmöglichkeiten in Alkohol gibt es viele. Das Unternehmen Diageo PLC ist mit Abstand der größte Spirituosenhersteller mit Marken wie Smirnoff, Captain Morgan, Johnnie Walker, Baileys und Guinness (Bier). Die größte Brauereigruppe ist das Unternehmen Anheuser-Busch InBev mit Marken wie Beck´s, Fanziskaner, Hasseröder, Budweiser und Corona.

Meine Meinung:

Ich habe in Herseller von Alkohol nicht investiert, aber nach meiner Meinung ist das aus moralischer Sicht vollkommen ok. Wer trinken will der soll das tun. Mit Freunden an einem sonnigen Abend zusammen sitzen und ein paar Bier trinken hat ja auch was für sich. Oder so wie Angela Merkel sagte „gerade Alkohol hat etwas mit Tradition zu tun“ Quelle

 

  • Fast Food

Im Jahr 1990 lag das Übergewicht in den OECD Staaten bei 9% der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2000 bei 13% und im Jahr 2009 schon bei 17%. In Amerika waren es im Jahr 2009 sogar schon 34% der Bevölkerung. Es scheint keine Trendwende in Sicht. Fettleibigkeit senkt die Lebenserwartung extrem und führt zu eigentlich allen Volkskrankheiten wie: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetel Mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfakt, Schlaganfall, Demenz, Alzheimer u.v.m. Quelle. Unternehmen wie MC Donalds, Burger-King und Coca-Cola tragen durch ihre Produkte gehörig zu dieser Entwicklung bei.

Meine Meinung:

Ich habe in Coca-Cola, Pepsico, McD, Unilever und Yum! Brand (Pizza Hut, KFC uvm.) investiert. Ich selbst hingegen versuche mich sehr gesund zu ernähren. Ich lese dazu viele Bücher, kaufe Bio und achte wirklich sehr auf die Ernährung. Trotzdem gehe ich 1-2 mal im Monat zu McD und genieße das Essen dort. Ernährung ist wie alles andere im Leben, zum Beispiel das investieren mit Disziplin verbunden. Ein sehr gutes und tiefgründiges Buch zum Thema Ernährung was ich wirklich sehr empfehlen kann ist das Wirk Kochbuch.

 

  • Drogen

Neuerdings kann man sogar direkt in Drogen investieren. Seit der Legalisierung von Cannabis in großen Teilen der USA ist es möglich am Drogengeschäft mit zu verdienen. Viele Firmen die in der Cannabisindustrie tätig sind, sind börsennotierte Aktiengesellschaften wie mCig, Medical Marijuhana oder Cannabis Science.

Meine Meinung:

Ich habe nicht in Drogenhersteller investiert, da diese aufgrund der geringen Marktkapitalisierung nicht meine Kaufkriterien erfüllen (die Veröffentlichung meiner Kaufkriterien folgt). Ansonsten hätte ich bei Cannabisherstellern kein Problem. Bei Heroin hingegen schon, wobei Substituthersteller wie Reckitt Benckiser oder Sanofi wiederum lohnende investments sein können. Hier stellt sich natürlich die Frage, ab wann ist es Droge und ab wann ein Medikament?

 

  • Rohstoffe

Banken wie etwa die Deutsche Bank verdienen viel Geld mit der Spekulation von natürlichen Rohstoffen wie etwa Mais oder Weizen. Durch die ursprünglichen Absicherungsgeschäfte verteuern die Spekulanten wissentlich den Preis. Mittlerweile ist die Rohstoffspekulation so verbreitet, dass pro Jahr 23 mal mehr Mais an den Börsen gehandelt wird, als es eigentlich auf der Welt gibt! Die Margen der Spekulanten muss natürlich irgendwo herkommen, nämlich vom Verbraucher. Alle Endkunden zahlen diese. In Entwicklungsländern sterben Menschen einfach dadurch, dass sie sich ihre Grundnahrungsmittel aufgrund der Versteuerung nicht mehr leisten können.

Meine Meinung:

Mit Essen spielt man nicht! Essen ist zum Essen da und muss auch für Menschen in Entwicklungsländern erschwinglich sein.

 

  • Rohstoffunternehmen

Es werden immer wieder Stimmen laut, die den Rohstoffunternehmen vorwerfen, dass sie sich nicht an die Menschenrechte halten, geschweige denn an die Arbeitssicherheit. So kommen, sagen die Kritiker jedes Jahr hunderte Menschen in Minen der Entwicklungsländer ums Leben. Außerdem schädigen diese Unternehmen nachweißlich die Umwelt massiv. Quelle Die beiden größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung sind BHP Billiton und Tio Tinto.

Meine Meinung:

Die moderne Welt braucht Rohstoffe die in Mienen gefördert werden für eigentlich alle modernen Produkte. Ich wünsche mir, dass diese auf eine moralisch und ökoligisch vertretbare Sicht hergestellt werden.

 

  • Pharma

Im Dezember 2014 wurde der Verkauf von 80 Medikamenten in Deutschland gestoppt. Es wurde bekannt, das die indische Firma die die Studien über die Medikamente erstellte die Ergebnisse gefälscht hatte. Quelle Es haben quasi alle Medikamente Nebenwirkungen (außer viele Homöopathische). Trotz der vielen Nebenwirkungen werden selbst bei einem kleinen Husten häufig direkt Antibiotika verschrieben.

Im Jahr 1996 testete der Pharmariese Pfizer an etwa 200 Kindern in Nigeria das mittlerweile verbotene Medikament Trovan. Durch die Wirkung des zuvor nicht am Menschen getesteten Mittels starben 5 Kinder und viele weitere wurden für ihr Leben geschädigt. Zusätzlich hielt Pfizer ein Medikament gegen die durch sie verursachten Leiden der Kinder zurück. Quelle

Meine Meinung:

Ich finde die investition in Pharmahersteller gut. Ohne Medikamente kein Heilung. Der Einsatz sollte natürlich im Einzelfall geprüft werden. Ich persönlich gehe gerne zum Heilpraktiker. In den meisten Fällen konnte er mir helfen auch ohne den Einsatz der Holzhammermethode.

 

  • Versicherer

Was ist denn an Versicherern unmoralisch? Deren Investments! So investiert zum Beispiel die Allianz mit ihren Riesterverträgen in Streubombenhersteller Quelle und allgemein in die Herstellung von Atombomben Quelle.

Meine Meinung:

In die Allianz würde ich auf keinen Fall investieren, was jedoch nicht nur an der Moral, sondern an der schlechten Dividendenmentalität liegt. Ansonsten würde ich mein Geld auch in Versicherer stecken (in die Aktien, nicht in die Verträge 😉 )

 

  • Rüstungsunternehmen

Rüstungsunternehmen sind aus moralischer Sicht die schlimmsten Unternehmungen, denn sie stecken viel Geld in die Forschung, um Waffen zu entwickeln die noch besser und mehr Menschen auf einmal töten. Beispiele sind hier der größte Rüstungskonzern der Welt Lockheed Martin oder die deutsche Rheinmetall.

Meine Meinung:

In Rüstungsunternehmen investiere ich nicht, egal wie viel Geld damit zu verdienen ist!!!

 

  • Saatgutunternehmen

Der Marktführer von den Saatgutproduzenten ist das Unternehmen Monsanto. Monsanto verkauft nicht nur Saatgut, sondern auch Herbizide und hat ein quasi Monopol bei gentechnisch veränderten Feldfrüchten. So liegt der Marktanteil bei über 90% aller weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen.

Monsanto hat wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse gefälscht, verbietet den Bauern laut Vertag den Konzern wegen Ernte- oder Ertragsausfällen zu verklagen, verbietet den Bauern die Ernteerträge erneut auszusehen, nimmt in extremform politischen Einfluss und trieb Bauern in Indien zum Selbstmord. Quelle

Und nur mal so. Monsanto war der Konzern, der das Gift „Agent Orange“ herstellte, welches im Vietnamkrieg  zur Tötung der Vietnamesen eingesetzt wurde und führt heute, nach 3 Generationen immer noch zu verkrüppelten und schwerbehinderten Kindern, da das in Agent Orange enthaltene Dioxin das ungeborene Kind im Mutterleib schädigt und sehr lange Zeit in der Umwelt verbleibt. Zudem ist es stark Krebserregend. Quelle

Meine Meinung:

Obwohl Monsanto durch seine Monopolstellung eine super Eigenkapitalrendite hat, würde ich aus oben genannten Gründen nicht in diesen Konzern investieren.

 

Warum setzt sich der Staat nicht für moralische Konzepte ein?

Viele dieser Produkte werden nicht verboten, da die Staaten über die Steuern bei solchen Produkten kräftig mitverdienen. Häufig wird eine Extrasteuer erhoben wie bei Tabak, Alkohol oder Öl. Zudem wird über die jeweils oft starke Lobby sogar eine schlechte Kontrolle gefördert.

Weiterhin hängen auch zum Beispiel an den Rüstungsunternehmen Arbeitsplätze die natürlich von der Regierung geschützt werden wollen. Das dafür woanders Menschen sterben, scheint egal.

 

Die Firmen

Viele Firmen sind immer wieder in Vorfälle verstrickt in dem bestochen wird, Falschaussagen getätigt werden, unrecht gehandelt wird und aufgrund dessen hohe Strafzahlungen geleistet werden müssen. Teilweise erhalten Mitarbeiter hohe persönliche Strafen.

Wenn man sich die Unternehmen unter ethischer und moralischer Sicht einmal genauer ansieht, fällt es schwer Unternehmen zu finden die wirklich zum Wohle der Natur, der Menschen und der Gesundheit handeln. Nicht umsonst heißt es in der Bibel und im Koran, dass man Geld nicht gegen (Wucher-) Zins verleihen soll, denn dies fördert die Gier die wiederum im Gegensatz zu den Christlichen und Muslimischen Werten steht.

 

Steuern vermeiden

Global agierende Unternehmen zahlen weitaus weniger Steuern als kleine oder mittlere Unternehmen. Durch Lizenzgebühren oder Zinszahlungen an die Mutterunternehmen die wiederum in einer Steueroase sitzen, sinkt der Gewinn in dem Land in dem der Gewinn generiert wird. Da in der Steueroase ein geringerer Steuersatz herrscht wird somit viel Geld gespart. Weil diese Staaten wie z.B. Irland oder Luxemburg die Gewinner sind, blockieren sie EU-Gesetze die dies ändern würden.

 

Wer trägt die Verantwortung?

Die Entscheidungen treffen die Unternehmen und vor allem die Verbraucher selbst, die die Produkte nachfragen. Der Vorstand der Unternehmen wird eingesetzt um die Gewinne nachhaltig zu maximieren. Nur das ist sein Job.

Jetzt die Frage aller Fragen: Haben die Privat-Investoren eine Mitschuld, in dem sie in diese Unternehmen investieren?

Ich denke diese Frage muss jeder persönlich für sich selbst beantworten. Ich finde, die Entscheidungen was die Unternehmen tun, werden von den Vorständen getroffen und natürlich durch die Politik, die wiederum die Rahmenbedingungen festgelegt und unmoralische Entscheidungen dadurch erst ermöglicht.

Aber dadurch macht sich der Investor nicht frei. Wenn er in Unternehmen investiert, muss er sich bewusst sein, dass solche Dinge in den Unternehmen passieren können und Entscheidungen immer häufig zu gunsten des Gewinns und nicht der Moral getroffen werden.

 

Meine Meinung

Ich bin der Meinung, dass die Börse nicht im allgemeinen moralisch verwerflich ist. Es gibt so wie im echten Leben kein schwarz und weiß, sondern immer nur Graustufen, die man für sich selbst bewerten und letztendlich dann für sich entscheiden muss.

Ich persönlich investiere gerne auch in Unternehmen die Menschen krank und dick machen, wie etwa Coca-Cola, denn jeder entscheidet für sich selbst welche Produkte er zu sich nimmt.

Verdient wird eh, dann verdiene ich gerne mit.

Anders sehe ich dies, bei Rüstungskonzernen, da die Menschen die getötet werden nicht darüber entscheiden können, im Gegensatz zu Menschen die rauchen oder Alkohol trinken. Bei gentechnisch verändertem Saatgut ist die Langzeitwirkung noch überhaupt nicht erforscht und auch wenn durch die steigende Weltbevölkerung eine gewisse Notwendigkeit der Schädlingsresidenz bei Nutzpflanzen besteht, kann die Gentechnik die Welt nachhaltig zum schlechteren verändern. Solche Produkte gehören meiner Ansicht nach nicht in das Depot. Unternehmen wie unteranderem Unilever und Nestlé verwenden Grundnahrungsmittel die aus Monsantos Saatgut hergestellt werden. Diese Unternehmen würde ich hingegen wieder kaufen.

Es gibt immer eine gewisse Doppelmoral. Autofahren verschmutzt die Umwelt, trotzdem tut es jeder einfach weil es vernünftig und effizient ist. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, jeder muss letztendlich seine eigene Entscheidung treffen.

Einen guten Leitfaden bietet die Ausschlussliste des norwegischen Staatsfonds die du hier findest.

Wenn du dich noch tiefer mit der Moral und der Ethik bei der Geldanlage beschäftigen möchtest, kann ich dir das Buch Ethisch Geld anlegen empfehlen.

Das Buch findest du Hier:

 

 

Wie schon oben angesprochen, ist das schreiben dieses Artikels eine echte Herausforderung für mich gewesen. Aus diesem Grund freue ich mich über jede Meinung in den Kommentaren und hoffe auf eine spannende Diskussion. :-)

 

Aktualisierung: 18.08.15

Aufgrund der erheblichen Umweltschädigung hat sich der norwegische Staatsfonds aus dem Palmölgeschäft komplett zurückgezogen (Für die Produktion von Palmöl werden große Regenwaldflächen gerodet). Quelle


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5 Gedanken zu “Ethische Geldanlage

  • FjodorForex

    Hallo Ric,

    zu großen Teilen bin ich gleicher Meinung / konform mit Dir. Es geht hier zumeist um die Marktwirtschaft, also um Angebot und Nachfrage. Wie Du also schon richtig feststellst, soll jeder das machen, was er will, denn auch mit den Konsequenzen (Krankheit oder Tod) leben die meisten Menschen trotzdem recht glücklich. Eigentlich finde ich die Börse auch moralisch verwerflich, zum Beispiel wenn ich am Ende der Woche in einem Restaurant essen gehe für 60 Euro und ich genau weiß, dass ich für dieses Geld keinen Finger krum gemacht habe, aber soeben fällt mir ein gutes Gegenbeispiel ein, was mich heute Abend sicher gut schlafen und meine Moral der Börse gegenüber besser dastehen lässt:

    Wenn also die Börse für manche Menschen moralisch verwerflich sein soll, dann sollten auch alle Schauspieler, Sportler (zum Beispiel Fußball, Formel 1), Manager oder Politiker (um nur einige Gruppen zu nennen) für diese Menschen moralisch verwerflich sein. Ich gehe davon aus, dass die Menschen die Börse moralisch verwerflich finden, weil man an der Börse sein eingesetztes Kapital vervielfachen kann? Wenn ja, dann sollten wie gesagt all die zuvor genannten Gruppen auch als moralisch verwerflich angesehen werden, da sie viel zu viel Geld für etwas erhalten, was mit der Moral einfach nicht zu vereinbaren ist. Ich kann moralisch mit mir nicht vereinbaren, dass eine Putzfrau, ein Bauarbeiter, ein Müllmann, ein Fliesenleger, ein Dachdecker, ein Fließbandarbeiter oder ein Kellner (um nur einige Berufe zu nennen) für so viel, harte und schwere Arbeit, so wenig Geld erhalten. Ich habe dieses Thema jetzt nur kurz angerissen, mir ist durchaus bewusst, dass es bei einigen Menschen innerhalb der Gruppen sicherlich nicht moralisch verwerflich ist, da auch sie sehr hart für ihr Geld arbeiten, aber auf die Masse gesehen sind die Gruppen sicherlich moralisch verwerflich.

    Ich persönlich finde es traurig, dass ein Großteil der Menschheit die Welt so zerstört (zum Beispiel durch Abgase, Plastikmüll, Waldfällungen, Ölverschmutzung, Tiertötung), diese holt sich zwar auch oftmals zurück was ihr genommen wurde, aber irgendwann wird auch das nicht mehr möglich sein.

    Viele Grüße
    FjodorForex

  • Chrisi

    Tja die Moral. Da müssen sich viele erstmal selber an der Nase nehmen.
    Die Politiker „verdienen“ 8000 Euro (nur mal gesagt) wärend ein Schwerarbeiter in einer Mine oder Schichtarbeiter oder eben ne Putzfrau mit 750 bis 2500 Euro abgespeist werden. (nur mal Zahlen gesetzt)
    Da wird gejamert das Strom aus Atomkraftwerken kommt, aber wir lassen alle Geräte auf Stand by.
    Da wird gejammert das die Ölfirmen die Umwelt verschmutzen und doch fahren wir 500 Meter zum Zigarettenautomaten.
    Da wird rumgejamert das sich die Jugend sowenig bewegt, da wird eine tägliche Turnstunde in der Schule gefordert, aber bei strahlenden Sonnenschein wird das achso bewegungsarme Kind dann die 500 m mit dem Auto von der Schule abgeholt.
    Da gibts jetzt Shirts um 5 Euro und Jeans um 10 Euro zu kaufen und erst wenn ne Kamera da steht und man gefragt wird woher das kommt und ob das nicht durch Sklavenarbeit gemacht wird, wird nachgedacht. Und ich gehe jede Wette ein, 2 Wochen später wieder in den selben Laden gegangen.
    Ich investiere in Firmen, mit denen ich Leben kann. Und wenn ich zb in Nestle investiere, bin ich Miteigentümer. Und auch wenns es alleine keinen Sinn macht, aber ich kann den Vorstand mit Mails nerven. Wenn die Kunden schon zu doof sind, könnten genügent Eigentümer etwas verändern. Aber solange es sowohl Kunden als auch Investoren egal ist…….

  • Wolfgang

    Ein klasse Artikel, danke! Ethik und Investment ist ein Thema, das mich sehr interessiert und beschäftigt. Ich persönlich versuche meinen Einzelinvestitionen (bei ETF ist das leider nicht so leicht möglich) Unternehmen aus den Bereichen Atomenergie, Öl, Tabak, Glückspiel, Alkohol, Fast Food, Gentechnik und Waffen – wenn es irgendwie geht – zu vermeiden. Denn bis auf Waffenhersteller und Gentechnik sehe ich in den anderen genannten Branchen langfristig ohnehin zu wenig Zukunftspotential; zudem sind alle genannten Bereiche moralisch hinterfragbar und sehe ich genügend anderweitige Alternativen.

    Völlig richtig ist, dass es kein Schwarz und Weiß gibt, sondern Graustufen – wie alles im Leben. Ebenfalls gibt es nicht das perfekte Investment. Wie soll das auch gehen, will man nicht jedes Detail des gekauften Unternehmens kennen und für die Zukunft sicherstellen wollen, dass niemals eine moralisch hinterfragbare Geschäftspraktik verwendet oder ein zweifelhaftes Investment getätigt wird. Am Ende muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden, ob er sich mit dem Unternehmen und dessen Geschäftspolitik identifizieren kann. Es steht dem auch nicht entgegen, dass man selbst vielleicht ein abweichendes Konsumverhalten hat.

    Wenn es hart auf hart kommt, gefällt mir Dein Ansatz nicht schlecht, darauf abzustellen, ob die potentiell Leidtragenden die Entscheidung frei treffen können. Dies ist bei Waffen, Gentechnik oder Nahrungsmittelspekulationen (aber auch bei massiver Umweltverschmutzung) klar nicht der Fall. Scheidet bei mir folglich aus. Bei Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Fastfood etwa sieht die Sachlage anders aus. Hier weiß mit Sicherheit Großteil der Konsumenten über mögliche Nachteile Bescheid und entscheidet sich aus freien Stücken dafür (oder dagegen). Soweit ich das in meinem Bekanntenkreis feststellen konnte, genießt jeder den Konsum dieser Produkte bis zu einem gewissen Grad. Würde also in Ordnung gehen, außer die Produkte sind so gefährlich (machen so stark süchtig), dass man sie geradezu schon verbieten muss. Stellt sich abschließend die Frage, ob man in diese Bereiche investiert sein WILL – mit dem Wissen, dass es das komplett blütenweiße Investment eben nicht gibt 😉 Schöne Grüße

  • SL_Franziskus

    Hallo Ric,

    bin grade zufällig auf deiner Seite gelandet. Großes Kompliment: Gute Artikel mit Sachverstand und ohne Gelaber ;-)! Von der Qualität und dem Tiefgang deiner Beiträge her könnte man meinen, dass Du schon 42 wärst…

    Besonders gut gefällt mir, dass Du dich hier jetzt auch mit der persönlichen Verantwortung als Anleger bzw. mit ethischen Fragen auseinandersetzt. Diese Aspekte sind mir (und scheinbar zunehmend auch vielen anderen) ebenfalls sehr wichtig und ohne verantwortungsbewusstes und reflektiertes Handeln kann meiner Meinung nach auch keine Marktwirtschaft und keine Gesellschaft dauerhaft funktionieren.

    Viele Kriterien wende ich ähnlich an wie Du. Ich investiere grundsätzlich nicht in Spekulation auf den Preis von Grundnahrungsmitteln, Waffenproduktion und Atomstrom. Seit letztem Jahr schließe ich auch Kohle, Gas und Öl weitestgehend aus (konkret diese Unternehmen: http://fossilfreeindexes.com/research/the-carbon-underground/). Grüne Gentechnik ist für mich ein Negativkriterium (in Monsanto würde ich auch niemals investieren). Unternehmen wie General Mills, die teilweise auch genveränderte Nahrungsmittel anbieten, schließe ich aber nicht aus. Dafür fliegt Nestlé bei mir (ebenso wie auch Coca Cola) wegen seiner führenden Rolle bei der Wasserprivatisierung raus.
    Bei den „Genussmitteln“ hab ich mir sehr lange Gedanken gemacht. Mit Alkohol hab ich keine Probleme, auch wenn er natürlich an sich großen Schaden anrichten kann. Aber zumindest grundsätzlich hat eben jeder Mensch die Wahl und schadet sich im Zweifelsfall vor allem selbst. Bei Tabak sehe ich das anders, weil das Rauchen sich auch immer direkt auf andere Anwesende auswirkt (passiv mitrauchende Partner, Kinder, Freunde,…) Deshalb schließe ich Tabakinvestments aus.
    Mit Fastfood hab ich weniger ein Gesundheitsproblem (hier kann wieder jeder Mensch für sich entscheiden, auch wenn es gewisse Abhängigkeiten geben kann) als eines mit der dahinter stehenden (Massen-)Tierhaltung. Deshalb sind McDonalds und Yum bei mir draußen. Interessant finde ich allerdings Chipotle Mexican Grill, die offensichtlich zumindest etwas bewusster handeln.

    Letztlich sind es immer Äbwägungsentscheidungen und es gibt nicht die perfekte Lösung. Ich sehe die Börse aber grundsätzlich nicht als unmoralisch an. Immerhin kann ich hier (bei Einzelinvestments) selbst entscheiden, in welche Unternehmen und Branchen ich investieren möchte.

    Ich werde zukünftig sicher öfter hier vorbeischauen und freue mich auf einen interessanten Austausch!

    • Ric Beitragsautor

      Hallo SL_Fransiskus,

      danke für dein großes Kompliment. Freut mich sehr, dass dir meine Seite und meine Artikel gefallen.
      Die Grenze ist schwer zu ziehen. Ich teile deine Einstellung, dass Investitionen ok sind, wo der Betreffende frei entscheiden kann ob er sich darauf einlässt oder nicht, wie zum Beispiel bei Fastfood.
      Ich finde die Böse überhaupt nicht unmoralisch. Natürlich gibt es überall Menschen die unmoralisch handeln, aber dass sehe ich nicht spezifisch bei den Börsen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wo er die Grenze für sich zieht.

      Chipole Mexican Grill finde ich auch spannen, aber ich bin der Meinung, dass Chipole mit einem KGV von 35 doch sehr hoch bewertet ist. Der Kurs sinkt jedoch aktuell 😉

      Ich freue mich auf deinen zukünftigen Kommentare.

      Viele Grüße
      Ric