Die Geschichte der Familie Gotrock 1


In dem Brief an die Aktionäre den Warren Buffett jedes Jahr veröffentlicht, erzählte Warren Buffett im Jahr 2006 die folgende Geschichte:

warren_buffett_grin_03 Quelle Bild

Die Geschichte der Familie Gotrock

 

 

 

 

DIESEN ARTIKEL ALS PODCAST HÖREN

Podcast Folge Nr. 2 Die Geschichte der Familie Gotrock

 

Vor einiger Zeit lebte in den USA eine sehr wohlhabende Familie mit dem Name Gotrock. Die Gotrocks waren ein weit verzweigter Clan der über Generationen gewachsen war. Sämtliche Aktien aller börsennotieren US-Unternehmen gehörten den Familienmitgliedern der Gotrocks. Sie waren quasi der Aktienmarkt.

Jedes Jahr erfreuten sie sich aufs Neue an den Früchten ihrer Investition. Alle Dividenden die gezahlt wurden, wanderten nach Abzug der Steuer in die Taschen der Gotrocks und das Wachstum der Firmen vermehrte das Vermögen der Familie zusätzlich. Ein Teil der Einnahmen brauchten sie zum Leben aber ein Teil sparten sie zu ihren Gunsten. Jeder Gotrock war ein Gewinner.

Über die Jahrzehnte wurden die Gotrocks somit immer reicher und sie lebten glücklich und harmonisch miteinander.

 

Irgendwann jedoch betraten einige sprachfertige Schnellredner die Bühne.

Sie suchten die angeblich „smarten“ Gotrocks auf und überzeugten diese davon, dass ihnen also den „smarten“ Typen ein größerer Anteil am Kuchen gehören sollte als den langweiligen Rumsitzern, die nur die Dividende kassieren und sich damit zufrieden geben.

Der Vorschlag der Schnellredner sah vor, dass die smarten Gotrocks einige Ihrer Aktien an die Rumsitzer und die anderen Smarten verkauften und im Gegenzug Aktien von anderen Rumsitzern und Smarten kauften. Die Transaktionen führten die Schnellredner natürlich gerne und gegen eine kleine Aufwandsentschädigung durch.

Statt faul im Depot herumzuliegen wanderten die Aktien jetzt von einem Gotrock zum nächsten. Die Gotrocks waren stolz darauf, Ihrem Geld mal so richtig Beine gemacht zu haben und sie warteten schon gespannt auf die nächste Dividenden-Saison die bestimmt fette Gewinne bringen würde.

Doch zu ihrer Verwunderung mussten sie feststellen:

Ihre Einkünfte hatten sich verringert. Ihr Vermögen wuchs nicht mehr so stark wie die letzten Jahre.

 

Doch warum war dies so?

Die Schnellredner die sich mittlerweile Broker nannten beanspruchen einen Teil der Einkünfte für sich. Die Gotrocks vereinnahmen nicht mehr 100% des Ertrags, sondern mussten einen Teil der Dividenden und der Gewinne an die Schnellredner die die Transaktionen durchgeführt hatten abgeben.

Hinzu kommt, dass der Gotrocks-Clan schon immer Steuern auf die Dividenden gezahlt hat, aber durch den Aktienhandel sind steuerpflichtige Kursgewinne angefallen, die den Ertrag ebenfalls mindern.

Die „smarten“ Gotrocks überlegten sich, dass sie wohl nicht in der Lage waren die „richtigen“ Aktien auszuwählen. Also heuerten Sie ein paar professionelle Manager an, die das für sie übernehmen sollten.

 

Das Ergebnis: Im nächsten Jahr war der Kuchen noch kleiner geworden, da nun nicht nur die Transaktionskosten für die die Schnellredner anfielen, sondern auch die Manager am Gewinn beteiligt wurden.

Ein weiterer Faktor war, dass die Manager natürlich beweisen wollten, dass sie ihr Geld wert waren und zeigte aus dem Grund Aktionismus. Sie handelten kräftig und trieben so die Gebühren sowie die zu zahlenden Steuern in die Höhe. Dies verringerte den schon erheblich geschrumpften Ertrag der Gotrocks noch weiter.

 

„Ok“, sagten die „smarten“ Gotrocks“.

„Wir haben es nicht geschafft, die richtigen Aktien auszuwählen und die Leute, die wir dafür angestellt haben, haben es ebenfalls nicht geschafft. Was sollen wir jetzt tun?“

Nach längerer Überlegung  kam man  anschließend zu dem Schluss: „Wir brauchen mehr Manager.“

Also heuerten die Smarten weitere Berater, Finanzplaner und Steuerfachkundige an.

Diese mittlerweile drei Gruppen von Helfern versprachen natürlich gegen eine kleine Gebühr das Finanzproblem der Gotrocks ein für alle Mal zu lösen.

Ein Jahr später kam jedoch die Ernüchterung. Das Ergebnis schrumpfte weiter.

 

Ein paar Neuankömmlinge an dem Hof der Gotrocks hatten eine atemberaubend einfache Lösung. Man solle mehr Geld zahlen für die von den Neuankömmlingen gegründeten Hedge-Fonds und Privat-Equity-Fonds die durch neue Finanzwerkzeuge auch in schwierigen Zeiten Gewinne machen können.

 

Aber auch das gab keine Besserung.

Der große Kuchen von damals hatte sich in Luft aufgelöst.

Die Gotrocks hatten nur noch einige Brotkrümel der Dividende die grade so zum Leben reichten. Die Sahnestücke hingegen hatten die schlagfertigen Schnellredner, die Berater und Manager eingeheimst.

 

Die Familie traf sich zu einem großen Krisentreffen. Sie konnten nicht verstehen, was passiert war, seitdem einige von ihnen versuchten den Markt zu schlagen und ihren Anteil am Kuchen zu vergrößern.

Niemand hatte mehr vom Kuchen bekommen, sondern der Kuchen wurde immer kleiner und jeder Gotrock war ein Verlierer. Und das, obwohl sie sich so bemüht hatten und die schlausten Köpfe eingestellt hatten.

Der Familienälteste stand irgendwann auf und sagte:

„Wir bezahlen sämtliche Helfer und alle zusätzlichen Steuern direkt von unseren Dividenden. Wir müssen uns nur von allen Brokern, Manager und Beratern trennen, dann werden uns wieder 100% aller Erträge zufließen.“

 

Gesagt getan.

Die Familie Gotrocks kehrte zu ihrer alten, langweiligen aber sehr einträglichen Investmentstrategie zurück und sie vereinnahmte wieder alle 100% der Erträge, die die US-Firmen im Laufe des folgenden Jahres erwirtschafteten.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute harmonisch und glücklich miteinander. (Quelle, Warren Buffetts Brief an die Aktionäre 2006, Eigene Recherche und Übersetzung)

Diese Geschichte zeigt ganz klar, der maximal verteilbare Kuchen war die Wirtschaftsleistung aller US-Firmen. Mehr gab es nicht zu verteilen.

Heut ist dies genauso. Die Firmen verdienen Geld und verteilen Ihre Gewinne an die Aktionäre.

Versuche einen kostengünstiges Depotkonto zu finden und dir Aktien von erfolgreichen Firmen in dein Depot zu legen. Dann halte die Füße still. So wie es auch Tim Schäfer sagt. So einfach ist das.

Bei allem was komplizierter ist, wird wohl jemand an deinen Gewinnen teilhaben wollen.

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Die Geschichte der Familie Gotrock

  • egghead

    Sehr schöne Geschichte

    „Bei allem was komplizierter ist, wird wohl jemand an ihren Gewinnen teilhaben wollen.“

    Stimmt absolut.

    Für mich jedoch mit einer Einschränkung : Märkte, in die ich wegen Entfernung, geringer Größe, schwierigem Zugang, persönlicher Unkenntnis etc. mit Direktinvestments nicht reinkomme. Deswegen haben ich entgegen des üblichen Direktinvestments (Europa/USA/Kanada/Australien) einen ETF Asia uind ETF World dazu ganommen (aus der ishares Reihe) – aber nur als Egänzung,