Branchenanalyse der Zigarettenindustrie Teil 1 7


Bist dato habe ich unter Unternehmensanalysen einzelne Unternehmen analysiert. Bei einem bestimmten Bereich möchte ich jedoch nicht nur die einzelnen

günther gumhold  / pixelio.de

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Unternehmen, sondern auf die gesamte Branche eingehen. Nämlich auf die erfolgreichste Branche überhaupt: Die Zigarettenindustrie.

Aufgrund der Fülle der Informationen, habe ich mich entschieden den Beitrag in zwei Teile aufzuteilen. Heute nun also die Branchenanalyse der Zigarettenindustrie Teil 1

 

Vorwort

Ob du in die Zigarettenindustrie investieren möchtest und ob es für dich aus moralischer Sicht ok ist, dass musst du für dich selbst beantworten. Vielleicht hilft dir mein Beitrag über die ethische Geldanlage dabei.

In diesem Beitrag beschäftige ich mich hingegen mit der Rendite von Zigarettenaktien, dem Umfeld und ob es lohnt dort zu investieren.

Anmerkung: Ich habe selbst 10 Jahre geraucht. Normalerweise eine Big-Box am Tag, in Spitzenzeiten (Prüfungen) auch bis zu zwei Big-Boxen am Tag. Ich habe mit dem Rauchen vor 2 1/2 Jahren aus zwei Gründen aufgehört. Erstens des Geldes wegen und zweitens wegen meiner Gesundheit. Ich befürworte es nicht, wenn jemand raucht und freue mich hingegen für jeden Menschen der nicht raucht oder es schafft aufzuhören. In diesem Artikel gehe ich jedoch auf die Vorteile des rauchens als Aktionär ein, darum kann der Eindruck entstehen, dass ich das Rauchen selbst für gut heiße, was jedoch nicht der Fall ist.

 

 

 

11 Fakten zum Zigarettenrauchen

 

  • 1. In Deutschland rauchen etwa 30% der Bevölkerung. Davon 33% der Männer und 27% der Frauen. Quelle Weltweit rauchen etwa 31 % der Bevölkerung. Quelle

 

  • 2. 2014 stiegen die Steuereinnahmen aus der Tabaksteuer für den deutschen Fiskus um 4,7% auf 14,6 Mrd. EUR. Quelle Die Tabaksteuer ist die zweithöchste Verbrauchssteuer nach der Energie- und vor der Stromsteuer. Quelle

 

  • 3. Etwas mehr als jede 5. gerauchte Zigarette in Deutschland wird illegal eingeführt und somit nicht in Deutschland versteuert. In Ostdeutschland hat sogar nur noch die Hälfte der Zigarettenschachteln eine deutsche Steuerbanderole. Quelle

 

  • 4. Je höher der soziale Status, desto weniger häufig wird geraucht. So rauchen nur 16% der Menschen mit Abschluss einer Universität/Promotion. Bei Personen die einfache, manuelle Tätigkeiten ausüben, rauchen hingegen etwa 50 %. Quelle

 

  • 5. Der pro Kopf Verbrauch von Zigaretten ist allein in Deutschland von 2.214 im Jahre 1966 auf nur noch 986 im Jahr 2014 gefallen. Das ist weniger als die Hälfte. Quelle und Quelle

 

  • 6. Der durchschnittliche Raucher raucht 15 Zigaretten am Tag Quelle. Bei einem Preis von 5,30 EUR und 19 Stück pro Schachtel sind dies 1500 EUR im Jahr.

 

  • 7. Jeden Tag rauchen weltweit über 6.000 Jugendliche ihre erste Zigarette (82% der Raucher haben vor ihrem 18. Lebensjahr mit dem rauchen angefangen). Quelle

 

  • 8. Tabakrauch stellt mit Nikotin einen der an schnellsten süchtig machenden Stoffen dar Quelle. Nach nur vier „ersten“ Zigaretten raucht man durchschnittlich 30 Jahre lang. Quelle (1.500 EUR im Jahr x 30 Jahre durchschnittliche Rauchdauer sind 45.000 EUR)

 

  • 9. Die Rückfallwahrscheinlichkeit von Rauchern die mit dem rauchen aufhören, liegt bei 97% innerhalb der ersten 6 Monaten nach dem Rauch stopp Quelle. Damit ist die Rückfallwahrscheinlichkeit doppelt so hoch wie die von Alkoholikern.

 

  • 10. Durch die Folgen des Tabakkonsums entstehen volkswirtschaftlich jährliche Kosten in Höhe von 80 Milliarden EUR (trotz des früheren Tods) das sind 2,8% des BIP. Die größten Teile entfallen dabei auf die Krankenversicherung (22,8 Mrd. EUR), die Pflege und Reha Kosten (21,8 Mrd. EUR) und der Arbeitsunfähigkeit sowie Erwerbsminderung (12,1 Mrd. EUR). Pro Raucher entstehen  Krankenkassenkosten in Höhe von knapp 530.000 EUR Quelle. So sind als Beispiel laut einer Schwedischen Studie rauchende Arbeitnehmer im Schnitt 8-11 Tage im Jahr häufiger Krankgeschrieben als die nicht rauchenden Kollegen Quelle

 

  • 11. An den Folgen des Rauchens sterben jährlich etwa 110.000-140.000 Menschen in Deutschland. Pro Tag sind das etwa 300. In der gesamten EU sterben jedes Jahr sogar 700.000 Menschen. Weltweit sind es 7 Millionen frühzeitige Todesfälle im Jahr in Folge des Rauchens. Somit sind die Folgen des Rauchens die häufigste Todesursache der Welt und die häufigste Todesursache noch vor Verkehrsunfällen, Feuer, Alkohol, Kokain, Heroin, AIDS, Mord und Selbstmord zusammen! Quelle und Quelle

 

Warum steigen eigentlich die Gewinne der Tabakkonzerne immer weiter?

 

1. Preiserhöhungen

Zigaretten sind nachweißlich schlecht für die Gesundheit und man möchte meinen, dass es Tabakunternehmen aufgrund von schärferen Nichtraucherschutzgesetzen auf der ganzen Welt immer schlechter geht. Zusätzlich werden die Raucher zumindest in Deutschland immer weniger. Trotzdem steigen die Gewinne der Tabakkonzerne immer weiter. Ein Grund liegt darin, dass kein Raucher mit dem rauchen aufhört, nur weil sich der Preis pro Schachtel um z.B. 10 Cent erhöht. Krass gesprochen, wird der Harz 4 Empfänger sein Geld eher für dass Rauchen als für etwas Essen ausgeben.

Gut 10 Cent Preiserhöhung ist bei 5 EUR pro Schachtel ja auch nicht die Welt oder?

Moment, rechnen wir mal nach: Wenn man sich (stand Januar 2015) eine Schachtel Zigaretten für 5,00 EUR kauft, dann werden 3,75 EUR an Steuern abgeführt (2,95 EUR Tabaksteuer + 0,80 EUR Umsatzsteuer). Die übrigen 1,25 EUR sind die Umsätze der Tabakkonzerne. Die Steuern betragen sage und schreibe 75%. Bei Discounter-Zigaretten liegt der Anteil der Steuern teilweise sogar bei bis zu 90%. Quelle

Bei einer Steigerung von 10 Cent steigt der Umsatz des Unternehmens um 10 Cent bzw. von den 1,25 EUR ausgehend um 8%. Wenn die Kosten für die Verpackung, den Transport, die Abschreibung für die Anlagen zur Herstellung, die Personal- und Energiekosten sowie der Rohstoffe gleich bleiben, dann würde der Gewinn sogar um satte 26,4% steigen.

Warum denn das? Bei BAT zum Beispiel beträgt die Umsatzrendite 22,3% Quelle. Wenn die Kosten gleich bleiben, aber der Umsatz um 10 Cent bzw. um 8% steigt, dann steigert das die Umsatzrendite direkt auf 30,3%. Dies ist eine Steigerung von 26,4%.

Konkret: Seit 1950 sind die Preise 5 mal schneller gestiegen als die Inflation und somit auch 5 mal schneller als die Einkommen. Quelle

 

2. Anteil der Raucher

Ein weiterer Punkt warum die Gewinne immer weiter steigen ist ganz banal. Der Anteil der Raucher betrug 1980 weltweit 41%. 2012 betrug der Anteil nur noch 31%. Das sind zwar 10% der Bevölkerung die weniger rauchen, aber dadurch das die Weltbevölkerung immer weiter wächst, ist die Zahl der verkauften Zigaretten in dem gleichen Zeitraum um 25% gestiegen. In Summe sind das 15% plus. :-) Quelle

 

3. Zusatzstoffe und Herstellungsverfahren

Warum erhöhen Zusatzstoffe denn die Gewinne? Eine Möglichkeit den Tabak quasi zu strecken ist das expanded tobacco-Verfahren. Dabei wird der Tabak mit Halogenkohlenwasserstoffen gesättigt und anschließend gefriergetrocknet. Dabei bläht sich der Tabak auf und erhöht somit das Volumen, also die mögliche zu verarbeitende Gesamtmenge. Eine weitere Möglichkeit die Ausbeute aus der Tabakernte zu erhöhen ist die Verwertung der nicht nutzbaren Reste der Pflanze. Dabei werden die Reste und andere Pflanzenbestandteile zu einem Brei verarbeitet, mit Nikotin angereichert, getrocknet und mit dem anderen Tabak vermischt. Quelle

 

Vorteile von Tabakaktien

 

1. Innovationen

Sein wir mal ehrlich. Zigaretten herzustellen ist super einfach. Die verschiedenen Tabaksorten und die Zusatzstoffe werden zerkleinert und vermischt. Das Papier wird mit dem Filter verbunden, mit dem Tabak gefüllt und in die Papp-Schachten gesteckt. Sind die Anlagen für die Herstellung einmal angeschafft, laufen diese Ewigkeiten, da an der Herstellung selbst so gut wie nichts geändert wird. So war die letzte große Innovation 1954 die Einführung der Filterzigarette Quelle.

Dadurch, dass die Innovationen so gering sind, sind die Anlagen abgeschrieben und müssen nur gewartet werden. Innovationen mögen zwar bei der Pharmaindustrie oder der Lebensmittelindustrie gut sein, aber eine Innovation kostet Geld (Entwicklung, neue Anlagen, neues Verpackungsmaterial) und bietet ein hohes Risiko, denn man weiß natürlich vorher nicht ob die Innovation auch vom Verbraucher angenommen wird. Zudem ist in hoch innovativen Branchen die Gefahr zu scheitern auch für große Unternehmen sehr groß. Beispiel Kodak. Die Digitalkamera wurde erfolgreich, Kodak verpasste den Trend und ging Pleite. Aus diesem Grund investiere ich zum Beispiel nicht in Apple oder in Amazon.

 

2. Fremdkapital

Dadurch, dass es eigentlich kein Geschäftsmodell gibt, was weniger schwankungsanfällig ist, sind die zukünftigen Gewinne sehr gut vorhersehbar. Aus diesem Grund ist es in der Tabakbranche üblich, viel Fremdkapital aufzunehmen. Dadurch steigt natürlich die Eigenkapitalquote auf exorbitante Höhen.

British American Tobacco (BAT) zum Beispiel hat eine Eigenkapitalquote von 21,06% und eine Eigenkapitalrendite von sagenhaften 56,53% .

 

3. Dividendenrendite

Zigarettenaktien haben im Vergleich sehr hohe Dividendenrenditen, gleichzeitig aber auch eine hohe Ausschüttungsquote, was jedoch aufgrund der hohen Kontinuität nicht weiter schlimm ist. So hat beispielsweise Philip Morris International eine Dividendenrendite von 5,04% bei einer Ausschüttungsquote von 79,83%.

 

Die Rendite

 

Jetzt mal Tacheles. Wie gut liefen Tabakaktien wirklich?

Der breite Markt der USA hat seit dem Jahr 1900 im Jahr 9,6% gebracht. Tabakaktien lieferten in den USA hingegen 14,6%. Damit waren sie die rentabelste Branche überhaupt!!! Quelle

Hätte man im Jahr 1900 einen Dollar in die Tabakbranche investiert, wären daraus 2010 6,3 Mio. Dollar geworden. Das ist 165 Mal mehr, als im Schnitt die amerikanische Wirtschaft geliefert hat. Dort wären aus dem einen Dollar „nur“ 28.255 Dollar geworden. Quelle

 

Weiterer Vorteil für Aktionäre

 

Aktionäre profitieren nicht nur direkt an den Gewinnen der Tabakkonzernen, sondern auch noch indirekt auf viele Arten:

 

  • 1. Wenn sich ein Raucher entscheidet mit dem rauchen aufzuhören, hört er meistens nicht auf einen Schlag auf, sondern geht den Weg über Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis oder Nikotinsprays. Der Marktführer in dem Bereich ist nicorette Quelle. Nicorette gehört zum Pharmakonzern Johnson & Johnson. Ich habe, wie man in meinem Depot sieht, selbst Aktien von Johnson & Johnson und hab somit einen weiteren Gewinn durch die Raucher und die Zigarettenindustrie.

 

  • 2. Rauchen verursacht Krebs. Wer Aktien von dem Marktführer von Krebsmedikamenten Roche hält, der profitiert von steigenden Krebsraten. Quelle

 

  • 3. Rauchen verursacht Potenzprobleme, der Marktführer in dem Feld ist Pfizer mit Viagra. Quelle

 

  • 4. Neuere Studien deuten darauf hin, dass rauchen Diabetes Mellitus Typ 2 fördert Quelle. Der Marktführer von Insulin ist Novo-Nordisk. Wer von dieser Firma Aktien hält, der profitiert indirekt von den Rauchern.

 

  • 5. Rauchen fördert viele weitere Krankheiten, dadurch profitieren eigentlich quasi alle Inhaber von Pharma-Aktien. Es gibt aber noch einen weiteren Bereich, der von den Rauchern profitiert, nämlich Krankenhausbetreiber wie Fresenius oder Rhön-Klinikum.

 

 

Das die Branchenanalyse der Zigarettenindustrie Teil 1 . Zum Zweite Teil in dem ich die einzelnen Unternehmen analysiere und auf die Zukunftsaussichten der Branche eingehe, gelangst du Hier!

 

 


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7 Gedanken zu “Branchenanalyse der Zigarettenindustrie Teil 1

  • The Dividendlover

    Danke Ric, sehr interessanter Beitrag. Im März haben auch ein paar Dividenden-Blogger bei Philip Morris International zugekauft.

    Eine Frage: Du schreibst „Bei einer Steigerung von 10 Cent steigt der Umsatz des Unternehmens um 10 Cent bzw. von den 1,25 EUR ausgehend um 8%“. Müssten von diesen 10 Cent nicht auch wieder die Steuern abgezogen werden? Dann wäre die Steigerung von den 1,25 EUR ausgehend lediglich 2% …

    • Ric Beitragsautor

      Hi the Dividendlover,

      freut mich, dass viele Blogger die gleiche Meinung bei Tabakaktien und speziell bei Philip Morris International haben wie ich :-)

      Zu deiner Frage:
      Von den 10 Cent müssen keine Steuern abgeführt werden, da die Tabaksteuer eine fixe Summe ist und kein prozentualer Wert.
      Die ist auch der Grund, warum bei Discounter-Zigaretten der Steuer-Anteil auf bis zu 90% steigt. Die Hersteller dieser Zigaretten, geben sich dort mit einer im Vergleich sehr geringen Marge zufrieden.

      Viele Grüße
      Ric

  • FjodorForex

    Hallo Ric,

    da viele Raucher die Zigarette unter anderem zur Ablenkung, Entspannung, Geselligkeit, zum abschalten oder zum zeitvertreib rauchen, wird es auch garantiert immer Raucher geben. Diese werden, im Gegensatz zum Ottomotor, nie aussterben. Die psychologische Beeinflussung ist einfach viel zu groß. Es ist durchaus möglich, dass der Konsum in Zukunft noch weiter sinkt, aber vielleicht kommen genau dann zum Tiefststand, die Zigaretten „ohne Giftstoffe“. Wer weiß.

    Viele Grüße
    FjodorForex

  • Cash Maker

    Hi Ric,
    Super Analyse! Auch ich bin ein ehemaliger Raucher und auch bei mir hat das aufhören nicht sofort geklappt. Eine gute Motivation ist auf jeden Fall immer die eigene und die Gesundheit der Familie. Freue mich auch über jeden Menschen der nicht raucht. Aber als Aktionär liebe ich die Dividenden von Altria. Ich habe lange überlegt dort überhaupt einzusteigen, allerdings haben mich die Aussichten auf gute und steigende Dividenden dann doch überzeugt.
    Ich werde einen Hinweis zu Deiner Analyse unter meinem Artikel plazieren, wenn Du nichts dagegen hast. :-)
    Gruss, Ralf

  • Ralph

    Sehr gute und objektive Analyse der jeweiligen Unternehmen. Ich warte auch schon seit längeren auf gute Kaufkurse bei Tabak Aktien, auffällig ist hier, dass diese kaum zurückkommen bei Korrekturen, was wohl für die Aktien spricht.

    Gruß Ralph